Bevölkerungswachstum wird zur Herausforderung für öffentlichen Verkehr

1. März 2013, 12:05
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2030: Ein halbe Million mehr Menschen müssen in den Ballungsräumen transportiert werden

Wien - Bis zum Jahr 2030 wächst die Bevölkerung in den österreichischen Ballungsräumen um eine halbe Million Menschen. Um den damit einhergehenden Verkehrszuwachs bei den öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen zu können, forderte der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) den Ausbau der S-Bahnen und Straßenbahnen, hieß es bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien.

Dabei wurde die Studie "Stadt auf Schiene bringen" präsentiert. "Es wird heute schon viel mit Öffis gefahren, aber in den kommenden Jahren wird die Nachfrage noch massiv steigen", sagte der VCÖ-Experte Markus Gansterer. Grund dafür ist der Wachstum der Bevölkerung. Während im Jahr 1995 in den Ballungsräumen 4,4 Millionen Menschen lebten, sind es heute bereits mehr als 4,8 Millionen und im Jahr 2030 werden es laut Prognosen 5,3 Millionen Menschen sein. "Ein Mehr an Bevölkerung heißt ein Mehr an Mobilitätsbedürfnis", so Gansterer. Dieses muss in erster Linie vom öffentlichen Verkehr bewältigt werden. "Doch mit den derzeitigen Kapazitäten ist das nicht zu schaffen", fasste Gansterer das Ergebnis der Studie zusammen.

Taktverdichtung und Bevorrangung

Als kurzfristige Maßnahme forderte der VCÖ eine Kapazitätssteigerung durch Taktverdichtung und eine konsequente Bevorrangung der Straßenbahnen. "Die vorhandene Infrastruktur muss so gut wie möglich genützt werden", forderte Gansterer. Nach Züricher Vorbild soll so eine "Grüne Welle" für Bims eingeführt werden. "Damit können einzelne Straßenbahnen mehr Fahrten pro Tag machen und damit mehr Fahrgäste transportiert werden", sagte Gansterer. Demnach fahren in einer Bim bei einer Auslastung von 70 Prozent 145 Personen. Laut VCÖ braucht es für die selbe Personenanzahl bei einem durchschnittlichen Besetzungsgrad vier Busse und ein Vielfaches an Pkw.

Wichtig sind dem Verkehrsclub auch eigene Gleiskörper für Bims. Durchgehend vom Autoverkehr getrennte Gleiskörper und eine konsequente Bevorrangung können in Wien die Durchschnittsgeschwindigkeit der Straßenbahnen von 15 auf 24 km/h erhöhen, so die VCÖ-Studie.

S-Bahn als Mittel der Wahl

Mittelfristig forderte der VCÖ den Ausbau der S-Bahn sowie Ausbau und Neubau von Straßenbahnen und Lokalbahnen. Aktuell gibt es in Österreich sechs S-Bahnsysteme mit insgesamt 35 Linien. Der VCÖ kritisierte, dass es im Ballungsraum Linz-Wels kein S-Bahnsystem gibt. "Die S-Bahn ist das Mittel der Wahl um das Umland zu erschließen", sagte Gansterer.

Nicht geeignet ist laut VCÖ die U-Bahn, um das Umland mit der Stadt zu erschließen. Sie macht demnach nur dort Sinn, wo viele Menschen wohnen und arbeiten. Laut VCÖ-Studie hat hier allein die Wiener U-Bahn im Vorjahr 128 Millionen Autofahrten und rund eine halbe Milliarde Autokilometer vermieden.

Auch Radfahrer können den Schienenverkehr entlasten: "Jeder Radler, der nicht einsteigt, bedeutet einen freien Platz", sagte Gansterer. Eine weitere Forderung des VCÖ ist die Schaffung eines Agglomerationsfonds (Stadt und Umland können daraus Finanzmittel beantragen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen, Anm.) nach Schweizer Vorbild.

Die Städte haben laut dem Verkehrsclub nicht nur ein Platzproblem, sondern auch Energie- Klima- und Luftqualitätsziele zu erreichen. Der VCÖ verwies darauf, dass städtischer Schienenverkehr elektronisch betrieben wird. "Straßenbahn, U-Bahn und S-Bahn verursachen damit keine Schadstoffe", sagte Gansterer. (APA, 1.3.2013)

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    Ohne nachhaltige Strategie werde es eng in öffentlichen Verkehrsmitteln, so der VCÖ.

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