Schlag auf Schlag bei Kartellverstößen

1. März 2013, 17:34
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Philips soll in Österreich nach verbotenen Absprachen mit Handelsriesen mit 2,9 Millionen Euro büßen

Wien – Erst waren es Molkereiprodukte, dann Dämmstoffe und nun Elektrogeräte: Nach und nach fliegen in Österreich über Jahre praktizierte illegale Preisabsprachen auf. Nach dem Marktriesen Berglandmilch verdonnerte die Wettbewerbsbehörde heuer die Handelskette Bauhaus und einen ihrer Lieferanten zu Geldbußen. Jetzt will sie Philips mit 2,9 Millionen Euro abstrafen. Der entsprechende Antrag ist beim Kartellgericht.

Ihm voraus gingen auch Razzien bei Mediamarkt und Saturn. Die Ermittlungen gegen die zwei Metro-Töchter sind noch im Gange. Und dem Vernehmen nach gab es seit Jänner Hausdurchsuchungen bei weiteren ihrer Lieferanten.

"Wettbewerb unerwünscht"

Hannes Majdic überrascht das Ganze nicht. Der Kärntner sattelte einst vom klassischen Elektrohandel auf das Online-Geschäft um – und kämpft mit seiner Marke Electronic4You gegen die Unbill der Marktführer. Philips beliefere ihn seit eineinhalb Jahren nicht mehr mit TV-Geräten, sagt er. "Wir bekommen keine Infos, keine Preise, keine Angebote, keine Ware." Offenbar sei Wettbewerb im Internet unerwünscht, wobei Amazon sehr wohl groß beliefert werde. Die Beschwerde bei der Kartellbehörde brachte ein anderer Onlinehändler ein: Dieser sah die Industrie von Saturn und Mediamarkt dazu angehalten, mit kleinen Webanbietern kein Geschäft zu machen.

Die Einzelhandelsgruppe dominiert je nach Sparte 20 und 40 Prozent des österreichischen Elektromarktes. Günstigere Webhändler, die ohne Ballast enormer stationärer Fläche und hoher Personalkosten auskommen, setzen ihr jedoch hart zu. Der Lob des geilen Geizes fiel ihr auf den Kopf. International stiegen die Umsätze trotz starker Preissenkungen kaum. Der Gewinn der Mutter Metro brach 2012 um 45 Prozent auf 810 Mio. Euro ein, wurde am Freitag bekannt.

Wolfgang Krejcik, Obmann des Elektrohandels, schließt das Fehlverhalten einzelner Unternehmen der Branche nicht aus. Was ihn dabei ärgere, sei "die Intransparenz" nach aufgedeckten Kartellverstößen. "Nach der Geldbuße wird der Akt geschlossen, alle Unterlagen werden vernichtet, und wir sind so gescheit wie zuvor. Das ist demokratiepolitisch unhaltbar." Seien große Marktteilnehmer involviert, gehöre klar Schiff gemacht.

Aufklärung über den Sachverhalt im Sinne geschädigter Konsumenten fordert auch die Arbeiterkammer: Sie prüft Verfahren auf Schadenersatz. Razzien schürten Erwartungshaltungen, geben Wi fo-Experten zu bedenken. Sich auf Bußgeld zu einigen, ohne den Fall näher offenzulegen, sei für Betroffene meist wenig befriedigend.

Bei Rewe und Spar sind die Erhebungen noch im Laufen. Erneut in das Visier der Kartellwächter ist die Voest geraten – allerdings wie auch 2011 in Deutschland. Die Österreicher waren damals an einem 125 Mio. Euro schweren Schienenkartell beteiligt. Nun steht der Verdacht auf Absprachen für den Vertrieb von Bandstahl an die Au-toindustrie im Raum. Nach Thyssen Krupp wurden nun Geschäftsräume der deutschen Voestalpine-Tochter in München gefilzt. Voest will die Ermittlung unterstützen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 2.3.2013)

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