"Einer Demokratie nicht würdig"

4. August 2003, 13:03
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"Welches Land im Nahen Osten verschweigt den Besitz von atomaren und biologischen Waffen?" Dass die Antwort "Israel" lauten soll, versucht eine brisante TV-Dokumentation zu beweisen

Es ist die Geschichte des "Atomspions" Mordechai Vanunu. Er hatte 1986 der britischen "Sunday Times" vom geheimen israelischen Nuklearprogramm berichtet. Im selben Jahr wurde Vanunu in Rom vom Mossad entführt und nach Israel gebracht. Seither sitzt er im Gefängnis, zwölf Jahre davon in Einzelhaft wegen Landesverrat.

Weitgehend unverändert zeigt der ORF im Rahmen des "Weltjournals" die brisante BBC-Doku "Israel: Mauer des Schweigens". An Vanunus Schicksal heften sich die Vorwürfe des Films: Im Jahr 2001 habe Israel gegen die Palästinenser Giftgas eingesetzt, wird behauptet. Von offizieller Seite wurde dementiert, es habe sich nur um Tränengas gehandelt. Doch die Bevölkerung klagte über Zitteranfälle. Die Produktion von ABC-Waffen werde verschleiert, internationale Kontrollen würden umgangen. Der Atomreaktor Dimona in der Negev-Wüste sei überaltet und unsicher. Es gebe Störfälle und rätselhafte Krebserkrankungen. All das werde nicht bestritten, jeder wisse davon. Aber aussprechen dürfe man es nicht, sonst drohe eine Zukunft wie die von Vanunu: Das sei "einer Demokratie nicht würdig", heißt es im Kommentar.

Konsequenzen

Der Film war Auslöser einer Reihe diplomatischer Konsequenzen in den Beziehungen zwischen Israel und dem britischen Fernsehen. Israelische Politiker standen der TV-Anstalt nicht mehr für Interviews zur Verfügung, die behördliche Unterstützung für BBC-Journalisten bei Einreise und Aufenthalt wurde sistiert. Bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Besuchs von Ministerpräsident Ariel Sharon wurden wie berichtet die Medienvertreter des renommierten Senders nicht eingeladen. Aus den Kabelnetzen des Landes ist der Sender bereits seit Monaten entfernt.

"Welches Land im Nahen Osten verschweigt den Besitz von atomaren und biologischen Waffen und lässt keine internationalen Kontrollen zu?", fragt Verfasserin Olenka Frenkiel: Mit dieser Frage bewarb die TV-Anstalt just zu Beginn des Irakkrieges ihren Report über Israels geheimes Waffenprogramm. Der Bericht wurde vor kurzem via BBC World ausgestrahlt.

Die ORF-Fassung teilt sich in drei Blöcke, Moderatorin Annette Scheiner vermittelt Hintergrundinfos. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe vom 16.7.2003)

Der ORF zeigt den Film im "Weltjournal" am Mittwoch (16.7.) um 22.30 Uhr, in ORF 2
  • Vom Mossad entführt, nach Israel gebracht und 1986 wegen Landesverrats verurteilt: Mordechai Vanunu.
    foto: der standard

    Vom Mossad entführt, nach Israel gebracht und 1986 wegen Landesverrats verurteilt: Mordechai Vanunu.

  • Der geheime Atomreaktor Dimona in der Negev-Wüste: Experten halten ihn für ein Sicherheitsrisiko. Der Film berichtet von zahlreichen Störfällen.
    foto: orf

    Der geheime Atomreaktor Dimona in der Negev-Wüste: Experten halten ihn für ein Sicherheitsrisiko. Der Film berichtet von zahlreichen Störfällen.

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