ÖSV-Adler fliegen an Medaillen vorbei

28. Februar 2013, 19:04
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Pole Kamil Stoch souverän zu Gold - Der Slowene Peter Prevc und der Norweger Anders Jacobsen holen die weiteren Medaillen - Loitzl Vierter, Schlierenzauer Achter

Predazzo - Österreichs Skisprung-Team ist am Donnerstag im dritten Herrenbewerb doch schwer geschlagen worden. Topfavorit und Weltcup-Dominator Gregor Schlierenzauer wurde als Achter seiner Rolle diesmal nicht gerecht, der 33-jährige Steirer Wolfgang Loitzl hätte als Vierter beinahe die Ehrenrettung der Mannschaft geschafft. Er verfehlte Bronze um 4,2 Punkte. Gold ging an den polnischen Co-Favoriten Kamil Stoch vor Peter Prevc (SLO) und Anders Jacobsen (NOR).

Auch wenn Loitzl, der Normalschanzen-Weltmeister von 2009, die Sensationsmedaille verfehlt hat, so überwog bei ihm doch die Freude. "Ich kann dem nachtrauern, aber hätte ich vor ein paar Tagen erfahren, dass ich Vierter werde, hätte ich das dankend angenommen", sage der zweifache Familienvater. "Es ist sehr gut, was ich mache, das stimmt mich auch für den Wettkampf am Samstag optimistisch. 

Als Vierter nach dem ersten Durchgang fuhr der Steirer im Finale erneut aus der gleichen Luke ab. Unmittelbar vor ihm und bei den drei späteren Medaillengewinnern nach ihm hatten deren Trainer den Anlauf verkürzen lassen, ÖSV-Coach Alexander Pointner verzichtete jedoch darauf. Loitzl meinte, er sei überrascht gewesen, mache aber dem Trainer keinen Vorwurf. "Ich hätte es mir zugetraut, aber im Nachhinein ist immer leicht reden."

Loitzl flog zwar im Finale 1,5 bis 2,5 Meter weiter als das Top-Trio Kamil Stoch (POL), Peter Prevc (SLO) und Anders Jacobsen (NOR) - ein Meter bringt 1,8 Punkte - die drei Konkurrenten erhielten aber wegen des um zwei Luken kürzeren Anlaufs 6,7 Punkte gutgeschrieben. "Ich war mir sehr sicher, dass auch bei mir der Anlauf verkürzt bleibt", meinte Loitzl.

Mensch und keine Maschine

Vor allem Schlierenzauer hatte die Hoffnungen der Österreicher getragen, kein Wunder bei dieser ausgezeichneten Saison. Der zweifache Silbermedaillengewinner bei dieser WM war vom Griff nach der ersten Goldmedaille für den ÖSV bei diesen Titelkämpfen aber überraschend weit entfernt. "Ich habe mich ein bisserl in der Materialwahl vergriffen. Mit Rückenwind war's schwer, ich habe da ein bisserl Aufholbedarf in den nächsten Jahren. Das war natürlich kein guter Wettkampf", analysierte der 23-jährige Tiroler. Er wisse, woran es liegt und wo er den Hebel ansetzen muss. "Ich habe schon zwei Medaillen, was will man mehr. Ich bin ein Mensch und keine Maschine. Die Saison ist sowieso grandios."

Für Manuel Fettner, der am Ende 15. wurde und wie Schlierenzauer im Finale mit zwei Luken weniger Anlauf in die Spur ging, waren es "zwei passable Sprünge" mit kleinen Fehlern. "Mein Job war ganz okay, ich weiß, wo ich es liegen gelassen habe. Ich hätte es dem Wuff (Loitzl, Anm.) voll vergönnt. Das Niveau ist im Moment so hoch."

Für Thomas Morgenstern, der von so manchem Insider wie zum Beispiel Adam Malysz als Medaillenkandidat gehandelt worden war, reichte es nach Rang fünf vom kleinen Bakken auch auf dem großen zu keiner Medaille. Im Auslauf des ersten Durchgangs stürzte der dreifache Olympiasieger nach seinem 126-m-Satz nach dem Telemark nahe der Sturzlinie und ging so nur als 22. in das Finale. "Im zweiten Durchgang musste ich alles auf eine Karte setzen. Die Bombe ist mir nicht gelungen, aber er war tadellos", sagte der Kärntner zu seinem 125,5 m-Sprung. "Aber ansonsten war es ein vergeigter Wettkampf", stellte Morgenstern, unmittelbar hinter Fettner 16., fest. Youngster Stefan Kraft wurde 24. "Es passt ganz gut, ich habe mich wieder gesteigert, ich bin wieder fast da, wo ich sein wollte. Es war zwei Mal nicht ganz perfekt."

Ein würdiger Weltmeister

Kamil Stoch ist kein Überraschungs-Weltmeister: Schlierenzauer hatte ihn als Konkurrenten Nummer eins genannt, Ex-Springer Malysz hatte den Sieg seines Landsmanns vorausgesagt. "Ein wunderbarer Tag für mich, ich bin extrem glücklich. Ich habe ein bisschen weniger Druck verspürt als noch vor einigen Tagen", sagte Stoch.

"Wer großartige Erfolge gefeiert hat, der muss auch verlieren können, daher Gratulation", sagte Pointner, der sich über den rasanten Aufschwung von Loitzl freute. "Er hat gestern eine unheimliche Leistungssteigerung erfahren und das heute gut herübergebracht." Und zu Schlierenzauer: "Der Gregor wollte mehr auf eine Karte setzen, hat ein bisschen was verändert, das ist leider im ersten Durchgang nicht gelungen. Im zweiten war es dann ein wesentlich besserer Sprung." (APA, 28.2.2013)

Endstand des WM-Großschanzenbewerbs der Skispringer am Donnerstagabend in Predazzo:

1. Kamil Stoch (POL) 295,8 (131,5/130,0)
2. Peter Prevc (SLO) 289,7 (130,5/130,5)
3. Anders Jacobsen (NOR) 289,1 (129,0/131,0)
4. Wolfgang Loitzl (AUT) 284,9 (128,5/132,5)
5. Jan Matura (CZE) 281,4 (127,5/132,0)
6. Richard Freitag (GER) 280,4 (129,0/128,5)
7. Simon Ammann (SUI) 279,8 (127,5/132,5)
8. Gregor Schlierenzauer (AUT) 279,2 (125,0/128,5)
9. Severin Freund (GER) 277,4 (126,5/129,5)
10. Daiki Ito (JPN) 276,9 (127,5/127,0)
11. Anders Bardal (NOR) 276,4 (127,5/129,0)
. Andreas Wank (GER) 276,4 (127,5/129,5)
13. Michael Neumayer (GER) 274,3 (130,5/124,0)
14. Tom Hilde (NOR) 273,6 (127,5/129,0)
15. Manuel Fettner (AUT) 272,7 (126,5/125,5)
weiters:
16. Thomas Morgenstern (AUT) 271,8 (126,0/125,5)
23. Stefan Kraft (AUT) 262,3 (124,5/124,5)

  • An Kamil Stoch gab es kein Vorbeikommen.
    foto: epa/srdjan suki

    An Kamil Stoch gab es kein Vorbeikommen.

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    Gregor Schlierenzauer hätte sich natürlich mehr erhofft.

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    Wolfgang Loitzl war trotz des undankbaren vierten Platzes gar nicht enttäuscht.

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