Verwobene Klangfäden bei der Salzburg-Biennale

28. Februar 2013, 18:45
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Hochkarätiges Programm beim Neue-Musik-Festival trotz Strukturproblemen

Salzburg - Noch bevor der jüngste Finanzskandal das Salzburger Land erschütterte, gingen die Wogen in der Mozartstadt in kleinerem Rahmen hoch. Auch rund um die Salzburg Biennale wurde über das Geld gestritten, nachdem es plötzlich an allen Ecken fehlte. Und dann gab es auch noch Differenzen über das Programm.

Denn nach der ersten Festivalausgabe, die Hans Landesmann 2009 als Dialog zwischen zeitgenössischer Musik und Klängen aus fernen Ländern konzipiert hatte, musste die zweijährlich stattfindende Reihe erst eine neue Identität entwickeln. Mit Heike Hoffmann wurde eine Neue-Musik-Fachfrau mit einschlägiger Erfahrung geholt, die sich freilich durchmischten und teilweise unvereinbaren Erwartungen gegenübersah.

Ausdrücklicher Hauptgrund für die Gründung des Festivals war die Belebung des tourismusschwachen März gewesen, weshalb neben der Stadt und dem Land auch der Altstadtverband ein Wort mitzureden hatte.

Hoffmann hatte sich bei ihrem Amtsantritt 2010 aber nicht nur um das Programm für die Festivalausgabe im folgenden Frühjahr zu kümmern, sondern fand auch eine unerwartete Budgetlücke vor: "Nachdem ich mein erstes Programm geplant hatte, hat sich herausgestellt, dass vom zugesagten Budget von einer Million Euro schon einmal ein Fünftel in die Strukturkosten für das festivalfreie Zwischenjahr gegangen war. Außerdem müssen wir alle Kosten für Mieten, Kartenverkauf, Technik und Personal selbst tragen. Für das Programm selbst ist daher viel zu wenig übrig geblieben. Wir haben aber entgegen solcher Gerüchte nie ein Defizit gemacht!"

Denn Hoffmann konnte rasch eine Reihe von Stiftungen und privater Sponsoren an Bord holen. Dass das Land Salzburg allerdings seinen Zuschuss für 2013 überraschend halbierte, machte eine Verkürzung der Biennale von vier auf drei Wochenenden notwendig.

Das Programm, das in dieser Zeit geboten wird, ist freilich ebenso hochkarätig wie durchdacht. Unter dem Titel "Focus" figuriert eine Reihe für Solo-Klavier, "Szenenwechsel" heißen die Musiktheaterproduktionen, und unter dem Namen "Zoom" finden sich jeweils an einem Wochenende gebündelte Komponistenporträts.

Und quer über das gesamte Programm führt außerdem das Thema "Palimpsest" . Hoffmann: "Dabei geht es um Überschreibung, Rekomposition, Recycling, wie immer man das nennen will: den Rückbezug von Komponisten auf Werke der Tradition oder auf Werke aus dem eigenen früheren Schaffen."

Wie so vieles in Hoffmanns Programm fügt sich auch der Höhepunkt des ersten Wochenendes am 3. März perfekt zusammen, wenn der Musikpreis Salzburg an Georg Friedrich Haas verliehen wird: In dessen tria ex uno lässt sich nachvollziehen, wie der Komponist, ausgehend von Musik des Renaissancemeisters Josquin Desprez, Schritt für Schritt und Schicht für Schicht zu seiner eigenen Klangsprache gelangt.

Das ist ebenso spannend wie die Frage, wie es künftig mit der Biennale weitergehen wird. So wie das Festival derzeit aufgestellt ist, hätte es jede Unterstützung und Aufmerksamkeit verdient.     (Daniel Ender, DER STANDARD, 1.3.2013)

  • Biennale-Chefin Heike Hoffmann.
    foto: wildbild

    Biennale-Chefin Heike Hoffmann.

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