Deppennation

28. Februar 2013, 18:34
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Stronachs Medienperformance irritiert grenzüberschreitend

Es kommt nicht oft vor, dass sich das Medienmagazin "Zapp" im Norddeutschen Rundfunk Österreich vornimmt. Die Kollegen haben mit der deutschen Branche mehr als genug zu tun. Doch Frank Stronachs Medienperformance irritiert grenzüberschreitend: Neben Verlagslobbying, SPD-Medienstrategien und Einladungspraktiken bei Kika war Mittwoch die liebe Not österreichischer Journalisten mit dem dominanten Neo-Politiker Thema.

Aus der Sicht von Presse- und Meinungsfreiheit ein ergiebiges Feld: Stronach, der auf Fragen nicht antwortet, sondern Erklärungen vortragen will, und auszuckt, als ihm das verwehrt wird. Stronach, der bei Puls 4 eine Sendung finanziert. Und Stronach, wie er frank und frei sagt: "Ich muss mir die Medien kaufen." Süffisant kommentiert und analysiert ergab das einen informativen und abwechslungsreichen Beitrag, im Web zu sehen auf www.ardmediathek.de.

Das ist ja alles ganz lustig anzusehen, und der Imageschaden eines Senders, der mit Blick auf die Quote auf Bestellung Inhalte liefert, qualifiziert alle Beteiligten ohnehin selbst. Der Stempel, den ein Politiker mit derartigem Gehabe aufdrückt, ist allerdings weniger spaßig. Stronachs Demokratieverständnis rückt Österreich in Richtung Deppennation.

Apropos: Seit Jahren denkt General Alexander Wrabetz laut über ein ORF-Medienmagazin nach. Auch heuer soll daraus etwas werden. Die Qualität solcher Sendungen steht und fällt mit ihrer Unabhängigkeit. Vielleicht denkt der ORF also besser noch viele Jahre darüber nach - und überlässt das Format einer Gruppe kluger Branchenkennerinnen. Die reden sehr konkret über ein solches Projekt, hört man gespannt. (Doris Priesching, DER STANDARD, 1.3.2013)

  • Frank Stronach.
    foto: apa/jäger

    Frank Stronach.

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