Bankerboni als Symbol für Einsicht

Kommentar28. Februar 2013, 18:16
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Die Politik musste Limits für Managerprämien gegen viel Widerstand erzwingen

Deal abgeschlossen! Die Begeisterung über eine Einigung auf die Begrenzung von Bonuszahlungen für Bankmanager war den Verhandlern in Brüssel anzumerken. Sie strahlten um die Wette.

Verständlich. Ihnen winkt nun zwar nicht mehr Geld, aber zumindest eine politische Dividende in Form von Applaus durch die Mehrheit der Wähler in praktisch allen Ländern der EU. Das kann man nicht gerade von vielen Maßnahmen behaupten, die in EU und Eurozone in den vergangenen Jahren zur Stabilisierung der Banken-, Finanz- und Eurokrise beitrugen.

Die zum Teil abenteuerlichen Erfolgsprämien von Managern zu begrenzen ist hingegen sehr populär. Das liegt nicht zuletzt daran, weil es sie absurderweise sogar bei Misserfolgen gab bis hin zur Pleite von Banken, die von Staaten mit milliardenschweren Hilfen gerettet werden mussten.

Populär schließt im Fall der Bonus-Limits aber nicht aus, dass die Maßnahme auch inhaltlich und politisch angemessen ist - obwohl die Wirkung in der Praxis von vielen überschätzt wird. Denn die neuen Obergrenzen stehen symbolhaft für die Einsicht, dass grenzenlose Gier und Gewinnstreben nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre keinen Platz in einer geordneten Gesellschaft mehr haben dürfen. Prämien zu begrenzen bedeutet im Bankengeschäft schlicht und einfach, die Risikobereitschaft der handelnden Personen zu dämpfen.

Mit Staatswirtschaft oder gar einem "Einkommensverbot", wie manche behaupten, hat das gar nichts zu tun. Wie in der freien Wirtschaft (zu Recht) üblich, können Banken ihren Angestellten auch in Zukunft als Fixgehalt so viel zahlen, wie sie nur wollen. Nur sollen sie sie nicht zum Zocken anstacheln dürfen, indem beim Lohn ein gefährliches Übergewicht bei den Prämien entsteht; mit Entwicklungen, die am Ende ganze Nationen ins Wanken bringen, weil der Bankensektor ein Schlüsselfaktor für jegliches Wirtschaften ist.

Eine allzu große und breite Wirkung sollte man sich ohnehin nicht erwarten: Zum einen werden die Banken auch unter einer strengen EU-Richtlinie Wege zur Umgehung finden. Das wird vor allem im EU-skeptischen und ausnahmebesessenen Großbritannien der Fall sein.

Zum anderen dürfte der Kreis jener Personen, die nun mit gravierenden Einbußen zu rechnen haben, eher klein sein; in Österreich vielleicht ein paar hundert Leute.

Ein Lob für die handelnden Politiker ist also angebracht, insbesondere für die EU-Abgeordneten, die die treibende Kraft waren und auch dann nicht lockerließen, als einzelne Regierungen aufgeben wollten. Fast ein Jahr lang mussten die Vertreter von Kommission, Rat der EU-Mitgliedsländer und Europaparlament darum ringen. Nicht zuletzt deshalb hat sich das für die Risikominderung viel wichtigere Projekt, die Eigenkapitalregeln für Banken gemäß der globalen Vorgabe (Basel III) zu verschärfen, um ein Jahr verzögert. Lobbyisten der Finanzwirtschaft, vor allem aber die britische Regierung als "Gastgeber" eines der wichtigsten Handelsplätze der Welt in London, ließen keine noch so kleine Gelegenheit aus, immer neuen Sand ins Getriebe zu schütten. Die Verteidigung der Prämienparadiese für Banker sei zuweilen wichtiger erschienen als die Frage, ob einzelne Institute ein paar Milliarden mehr oder weniger fürs gesicherte Eigenkapital aufbringen müssten, wurde berichtet. Ein Denkfehler, der korrigiert wurde. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 1.3.2013)

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