Mehrheit für Salzach-Kraftwerk

28. Februar 2013, 18:07
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Online-Befragung von 19.000 Anrainer-Haushalten an der Unteren Salzach - Nur zwölf Prozent lehnen ein Kraftwerk generell ab

Salzburg – Ja zu einem Flusskraftwerk, aber nur unter bestimmten Bedingungen. So kann man das Ergebnis der Online-Befragung von rund 19.000 Anrainer-Haushalten im Freilassinger Becken nördlich der Landeshauptstadt Salzburg auf der bayerischen und österreichischen Seite der Salzach zusammenfassen. Die Befragung wurde im Rahmen des Flussdialoges zur Zukunft der Unteren Salzach von Mitte Jänner bis Anfang Februar durchgeführt.

Die Ergebnisse der Befragung sind ziemlich eindeutig: 51 Prozent sprechen sich für die Wasserkraftnutzung im Freilassinger Becken aus, wenn damit ökologische Vorteile verbunden sind. Dabei geht es im Wesentlichen um die Anhebung des Flussbettes und eine bessere Bewässerung der Auwälder. 24 Prozent sind überhaupt ohne Vorbehalt für den Bau von Kraftwerken. Nur zwölf Prozent lehnen ein Kraftwerk generell ab. Dass die Ergebnisse einigermaßen repräsentativ sind, daran zweifelt die durchführende Agentur "tatwort" nicht. Die Beteiligung sei mit 9,4 Prozent sehr hoch.

Die Sanierung des Flusses ist notwendig, da durch die zahlreichen Kraftwerke im Oberlauf dem Fluss Geschiebe fehlt und die Salzach durch die Begradigungen enorm an Tempo zugelegt hat. Beides führt zu einer Eintiefung des Flusses, die bis zum Bruch der Sohle führen kann. Letztlich können sogar Böschungen einstürzen, die Hochwassergefahr steigt.

Spannendes Detail der Befragung: Auch wenn ökologische Momente wie positive Klimaschutzeffekte (55 Prozent) und die Bewässerung der Auwälder (54 Prozent) häufig als Argument für ein Kraftwerk positiv angeführt werden, an der Spitze liegt aus Anrainersicht jedenfalls eine ganz praktische Überlegung: 56 Prozent würden sich einfach auf einen so entstehenden neuen Fahrrad- und Fußgängerübergang freuen.

Kritik von Naturschützern

Während man bei der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerksgesellschaft (ÖBK), die im fraglichen Flussabschnitt ein Kraftwerksprojekt betreibt, sich über die "positive Grundhaltung" der Anrainer freut, kommt vonseiten der Naturschützer Kritik.

Viele Fragestellungen wären "problematisch" gewesen, sagt Hannes Augustin vom Naturschutzbund. Die Frage etwa nach der Verbindung von Kraftwerken und Ökologie wäre eine nach "warmen Eislutschern". Kraftwerke wären immer ein "massiver und dauerhafter Eingriff in die Natur, auch wenn sie noch so grün angestrichen werden", sagt Augustin im Standard-Gespräch. Der Naturschutzbund will im April eine eigene Studie zur ökologischen Flusssanierung ohne Kraftwerke vorlegen. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, 1.3.2013)

  • Visualisierung des geplanten Kraftwerkes nördlich der Landeshauptstadt. Die Anrainer freuen sich auf eine neue Flussquerung.
    foto: österreichisch bayerische kraftwerks ag

    Visualisierung des geplanten Kraftwerkes nördlich der Landeshauptstadt. Die Anrainer freuen sich auf eine neue Flussquerung.

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