Schweiz: Managern droht Aus der Mega-Gehälter

28. Februar 2013, 18:08
20 Postings

Die Eidgenossen stimmen ab - Selbstbereicherung zerstöre Glaubwürdigkeit der Marktwirtschaft

Als abgehoben galt Daniel Vasella schon lange. Der Exboss des Schweizer Pharmakonzerns Novartis ließ sich täglich von seinem feudalen Anwesen im Steuerparadies Risch am Zugersee abholen und zu seinem Arbeitsort Basel bringen - per Helikopter.

Seine üppigen Millionenbezüge pflegte Vasella mit launigen Kommentaren schönzureden: "Ich möchte ja sehen, wer aufsteht und sagt, dass er seinen Lohn nicht annimmt." Dann wurde ruchbar, dass der scheidende Verwaltungsratspräsident zum Abschied von Novartis knapp 60 Millionen Euro kassiert. Mit dem Riesenscheck wollte der Multi verhindern, dass der 59-Jährige sein Insiderwissen bei anderen Pharmafirmen versilbert.

Im Prinzip sollte der Exchef das Geld fürs Nichtstun einstreichen. Die Vasella-Bombe platzte genau in die heiße Phase des Abstimmungskampfes um die sogenannte "Abzockerinitiative": Diesen Sonntag entscheiden die Schweizer darüber, ob in Zukunft exzessive Zahlungen an Topmanager wie Vasella vereitelt werden können. Erst auf massivem Druck von Politikern, Medien und dem empörten Volk ruderte Vasella zurück: Der Manager verzichtet auf die 60 Millionen Euro.

Urnengang

Vasellas Gier treibt in den vergangenen Tagen vor dem Urnengang noch mehr Schweizer in das Lager der Abzockerinitiative. Laut Umfragen könnten bis zu zwei Drittel der Eidgenossen für das Aus von Wahnsinnsgehältern stimmen.

"Vasellas Schritt ist wie ein Eingeständnis, dass er falsch und die Abzockerinitiative richtig lag", analysiert der Zürcher Politologe Michael Hermann. Befürworter der Abzockerinitiative wie der Genfer Soziologe und Firmenkritiker Jean Ziegler hoffen sogar auf ein "Signal" für Europa. "Andere Länder sollen dem Gehälterwahnsinn auch ein Ende machen", fordert Ziegler.

Im Kern verlangt die Abzockerinitiative, dass die Aktionäre börsennotierter Firmen die Gehälter für Bosse und leitende Mitarbeiter im Verwaltungsrat bestimmen sollen. Bis jetzt schanzen sich die Verwaltungsräte riesige Saläre gegenseitig zu, versorgen auch das Topmanagement reichlich. Weiters soll die Mitgliedschaft im Verwaltungsrat auf ein Jahr begrenzt sein. Zudem sollen Abgangszahlungen wie im Fall Vasella verboten werden. Bei Verstößen gegen die Bestimmungen könnten bis zu drei Jahre Haft drohen.

Abzockerinitiative

Noch aber kassieren Schweizer Konzernlenker richtig ab. Eine Liste über Vergütungen europäischer Verwaltungsrats- bzw. Aufsichtsratsvorsitzender für 2011 in der Neuen Zürcher Zeitung belegt: Auf dem Kontinent zahlten die vier Schweizer Aktiengesellschaften Novartis, Nestlé, Credit Suisse und Roche ihren Oberchefs das meiste Geld. Zudem kommen viele helvetische Bosse in den Genuss besonders üppiger Prämien.

So freute sich der Credit-Suisse-Chef Brady Dougan über eine kumulierte Ausschüttung von 71 Millionen Schweizer Franken.

Die exorbitanten Überweisungen treiben vielen Schweizern die Zornesröte ins Gesicht. Einer handelte. Thomas Minder wetterte so lange gegen " explodierende" Managergehälter, sammelte so lange Unterschriften, bis die Abzockerinitiative zugelassen wurde.

Die Selbstbereicherung einiger weniger Manager zerstöre langfristig die Glaubwürdigkeit der Marktwirtschaft und sei einfachen Bürgern nicht zumutbar, schimpft Minder. Der Geschäftsführer der familieneigenen Kosmetikfirma Trybol in Neuhausen am Rheinfall kann sich auf eine breite Allianz stützen. Politiker von den Grünen über die Sozialdemokraten bis hin ins bürgerliche Lager, Gewerkschaften, Sozialverbände und Kirchenvertreter pflichten Minder bei. (Dirk Herbermann, DER STANDARD, 1.3.2013)

Share if you care.