Wiens Büromenschen wollen besseres Essen

1. März 2013, 11:16
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Nutzerbefragung an sechs Standorten: Verbesserungsbedarf herrscht auch bei Rauchen und Parken sowie der Akustik

Mehr als 600.000 Menschen haben ihren Arbeitsplatz in einem Wiener Büro. Wie zufrieden sie mit ihrem Arbeitsplatz sind, wurde nun erstmals untersucht - in Form einer anonymen Umfrage, die das Wiener Unternehmen "teamgnesda - Gnesda Real Estate & Consulting GmbH" im vergangenen Jahr durchgeführt hat.

Sechs Standorte

Von Juli bis Oktober 2012 hat sich das "teamgnesda" an sechs prominenten Wiener Bürostandorten postiert: Donau-City, Viertel 2, Gasometer, Marximum, Lassallestraße und Euro Plaza. Vor Ort wurden anonyme Straßeninterviews mit Menschen geführt, die in einem der umliegenden Bürogebäude arbeiteten.

Mit Ausnahme des 1. Bezirks wurden damit die wichtigsten Wiener Bürostandorte abgedeckt, erklärte teamgnesda-Geschäftsführer Andreas Gnesda bei der Präsentation der Ergebnisse Anfang dieser Woche. Die insgesamt 40 damit abgedeckten Immobilien weisen rund 500.000 m² an Büronutzfläche auf, was knapp fünf Prozent der gesamten Wiener Büronutzfläche (aktuell rund. 10,6 Millionen Quadratmeter) entspricht.

Jeder Zweite kommt öffentlich

Die Ergebnisse können mit der einen oder anderen Überraschung aufwarten - etwa bezüglich der Mobilität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Demnach kommen in einer (fiktiven) Firma mit genau hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwas mehr als die Hälfte (51) jeden Tag mit den "Öffis" zur Arbeit. Sechs kommen mit dem Fahrrad, vier mit dem Motorrad, zwei gehen zu Fuß.

37 Mitarbeiter kommen mit dem Auto - und es hat hier durchaus seine Berechtigung, nur die männliche Form zu verwenden, denn es gibt dabei einen signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern: Weitaus mehr Männer (42 von 100) als Frauen (29 von 100) gaben an, mit dem Pkw zu fahren. Interessanterweise wünschen sich dennoch 72 Prozent der Befragten "mehrere und günstigere (oder Gratis-)Parkmöglichkeiten für Mitarbeiter" - obwohl auch die öffentliche Erreichbarkeit der Gebäude von 83 Prozent mit "sehr gut" oder "gut" bewertet wird.

Raucherthema: "Gut gelöst, aber ..."

Was das Thema Rauchen betrifft, gibt es anhand der Umfrage zwar von keinen signifikanten Unterschieden der Geschlechter zu berichten (weil dazu keine Extra-Auswertung gemacht wurde), aber ebenfalls von einigen ambivalenten Ergebnissen. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass das Raucherthema in ihrem Büro grundsätzlich "sehr gut" oder "gut" gelöst wurde. Sehr oft wurde aber auch (offenbar vom restlichen Drittel) "der Wunsch geäußert, dass es wieder mehr Indoor-Raucherlösungen geben sollte", berichtete Stefanie Scheibenecker von "teamgnesda". Gefordert wurden aber auch mehr überdachte bzw. wetterfeste Raucherlösungen.

Am zufriedensten zeigte man sich beim Marximum sowie beim Euro Plaza mit den getroffenen Lösungen. Weniger zufrieden sind demnach die Beschäftigten in der Donau-City und beim Gasometer.

Raumklima: Luft nach oben

Vergleichsweise wenig zufrieden sind die Beschäftigten an den sechs Standorten demnach auch mit dem Raumklima. Nur 44 Prozent befinden es für "sehr gut" oder "gut", weitere 28 Prozent gaben ein "Befriedigend". Überdurchschnittlich ist die Zufriedenheit im "Viertel 2", beim Marximum und in der Donau-City, äußerst verbesserungswürdig sind demnach die Zustände im Gasometer.

Auch bezüglich der Büro-Akustik herrscht mancherorts große Unzufriedenheit. 26 Prozent gaben hier ein "Genügend" oder gar ein "Nicht Genügend", die mit Abstand größten Sorgen gibt es demnach im Gasometer.

Akustik im Einzelbüro schlechter bewertet

Mitarbeiter, die sich ein Büro teilen, äußerten sich dazu interessanterweise ein wenig zufriedener als solche in Einzelbüros. Andreas Gnesda führte als eine mögliche Erklärung dafür an, dass es auch in Einzelbüros oft schwierig sein könne, die nötige absolute Ruhe zu erreichen – und zwar genau dann, wenn man sie benötigt.

Ohnehin sind Einzelbüros aber mittlerweile die Ausnahme. 83 Prozent der Befragten gaben an, mit einer oder mehreren anderen Personen in einem Raum zu sitzen – was im Umkehrschluss bedeutet, dass 17 Prozent ein Büro für sich alleine haben. Bei Mitarbeitern mit Personalverantwortung sind es doppelt so viele.

Variantenreicheres Lokalangebot gewünscht

Punkto Versorgung mit Essen förderte die Umfrage wenig Euphorie zutage. In und um die Gasometer-City scheint die Zufriedenheit mit dem Angebot am höchsten zu sein, dort wünscht sich nur jeder Fünfte ein "variantenreicheres Lokalangebot"; im zweitgereihten "Viertel 2" sind es bereits 42 Prozent. Anderswo ist man wesentlich unzufriedener, an den Standorten Euro Plaza und Lassallestraße hätten jeweils zwei Drittel gerne ein besseres Angebot.

Beim "Viertel 2" und beim Gasometer wurden auch die höchsten Zustimmungsraten bei der Frage nach dem Geschmack des Essens erzielt. Über alle sechs Standorte betrachtet gibt es aber Verbesserungsbedarf: Nur 45 Prozent der Befragten schmeckt das Essen an ihrem Standort "sehr gut" oder "gut"; "gesünderes Essen zu fairen bzw. günstigeren Preisen" wurde sehr oft als Wunsch geäußert.

"Passt zur Firmenphilosophie"

Auch, was die Beschilderungen in den Gebäuden betrifft, herrscht Verbesserungspotenzial. Die Leitsysteme wurden nur von einer knappen Mehrheit für gut befunden, Handlungsbedarf sieht man insbesondere im Marximum und in der Donau-City.

Dass ihre Büroimmobilie aber jedenfalls grundsätzlich zur Firmenphilosophie passt und "für das Unternehmen repräsentativ ist", finden drei Viertel der Befragten. Etwas mehr als zwei Drittel sehen auch ihre unmittelbare Nachbarschaft sehr positiv: Das Image der anderen Firmen am Standort halten 69 Prozent für "sehr gut" oder "gut".

Befragung in der City schwierig

Soweit die Ergebnisse der Umfrage an den sechs Wiener Bürostandorten, die großteils nord- bzw. südöstlich von der Innenstadt liegen. Die Einbeziehung der City hätte die Studie natürlich noch aussagekräftiger gemacht, erklärte Andreas Gnesda, man sei diesbezüglich aber an der Logistik gescheitert. Einerseits hätten die Bürobeschäftigten erst mühsam aus den vielen Touristen herausgefiltert werden müssen, andererseits gab es keine befriedigende Antwort auf die Frage, wo man sich hätte platzieren sollen, um möglichst Mitarbeiter vieler verschiedener Büroobjekte zu erreichen.

Eine Alternative wäre, per Los einige Büroobjekte der City zu wählen und sich vor dem Eingang zu postieren. Anzutreffen wären die Bürobeschäftigen dort jedenfalls gewesen: 93 Prozent der Befragten gaben an, einen fixen Arbeitsplatz mit eigenem Schreibtisch zu haben, und vier von fünf sind dort auch an fünf Tagen die Woche zu finden. Im Schnitt verbringen die Befragten 4,73 Tage/Woche an ihrem Arbeitsplatz; im Euro Plaza liegt der Wert mit 4,80 etwas höher als im Gasometer (4,65). (Martin Putschögl, derStandard.at, 1.3.2013)

  • Ein Teil des "Clusters" Donau-City: Im Vordergrund das Tech Gate, im Zentrum die UNO-City, rechts dahinter der IZD Tower.
    foto: derstandard.at/putschögl

    Ein Teil des "Clusters" Donau-City: Im Vordergrund das Tech Gate, im Zentrum die UNO-City, rechts dahinter der IZD Tower.

  • An sechs Standorten wurden für die Umfrage insgesamt 421 Interviews geführt.
    grafik: teamgnesda

    An sechs Standorten wurden für die Umfrage insgesamt 421 Interviews geführt.

  • Die Grafik zeigt die höchst unterschiedliche Verteilung der Branchen an den einzelnen Standorten.
    grafik: teamgnesda

    Die Grafik zeigt die höchst unterschiedliche Verteilung der Branchen an den einzelnen Standorten.

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