Bernhard Gruber holt Silber

28. Februar 2013, 16:00
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Bernhard Gruber feiert im Großschanzenbewerb der Kombinierer seinen bisher größten Einzelerfolg

"Das ist der Lohn für viele Stunden auf der Loipe, es ist lässig, ich bin überglücklich." Völlig außer Atem, aber dennoch wortreich freute sich Vizeweltmeister Gruber, nachdem er sich aus dem tiefen Geläuf erhoben hatte. Auf das war der Pongauer niedergesunken, nachdem er den Doppelweltmeister von Val di Fiemme auf Distanz gehalten hatte. "Ich habe nur noch das Ziel vor mir gesehen, die letzte Gerade wurde sehr lang, der Schnee war extrem stumpf. Ich dachte einfach: 'Schieb an, was geht.' Und zum Glück ist Jason dann auch ein bisschen das Gas ausgegangen."

Der Eklat um Mario Stecher ist an Gruber und den restlichen österreichischen Kombinieren nach außen hin spurlos vorbeigegangen. Nach dem Springen am Vormittag in Predazzo, das Stecher völlig missriet, durften sich Christoph Bieler (2.), Gruber (6.) und Wilhelm Denifl (7.) allerdings nur relativ geringe Chancen ausrechnen, da in Zeitabständen umgerechnet recht knapp hinter ihnen starke Langläufer lauerten und sich der führende Deutsche Frenzel nach einem Satz auf 138,5 Meter (Schanzenrekord) auf ein einsames Rennen über zehn Kilometer zu Gold freuen durfte.

"Ein Berni-Uphill"

Tatsächlich eilte der 24-jährige Weltcup-Führende aus dem Erzgebirge am Nachmittag in Lago di Tesero unaufhaltsam dem Sieg entgegen, während sich in seinem Rücken das Feld zusammenzog. Gruber setzte am letzten Anstieg eine starke Attacke. Der Norweger Magnus Krog habe ihm schon vor dem Rennen prophezeit, "dass das ein Berni-Uphill ist". Nur Lamy Chappuis und der Japaner Akito Watabe konnten auf dem tatsächlich nach dem italienischen Langlauf-Heroen Cristian Zorzi benannten Anstieg folgen, verloren aber dann den Sprint.

"Ich bin ein beherztes Rennen gelaufen, ich habe gewusst, dass es sehr zäh wird", sagte Gruber, der 2011 in Vancouver Olympia-Bronze im Großschanzen-Einzel und Gold mit dem Team geholt hatte. Der begabte, auch komponierende Hobbymusiker aus Bad Gastein war schon in der bisherigen Weltcupsaison der verlässlichste Österreicher gewesen. Anfang des Monats hatte er bei der Olympia-Generalprobe in Sotschi seinen insgesamt vierten Sieg im Weltcup gefeiert.

Stecher, der am Tag, nachdem ihm Ausrüster Fischer wegen öffentlicher Kritik ebenso öffentlich die Unterstützung entzogen hatte, mit mehr als zweieinhalb Minuten Rückstand 21. wurde, gratulierte Gruber herzlich: " Ich freue mich sehr für ihn, er kann stolz sein." Sein Ergebnis und der Eklat vom Vortag dürfte den 35-jährigen Vizeweltmeister des Normalschanzenbewerbs für den abschließenden Teamsprint disqualifizieren, den am Samstag wohl Denifl, am Donnerstag guter Sechster, mit Gruber erledigen wird.

Stecher, der sich durch die vielen positiven Reaktionen auf seine Kritik sowie die überwiegend negativen Kommentare zum radikalen Schritt von Fischer bestätigt sieht, arbeitet schon an einem Plan B für die Fortsetzung einer Karriere, die erst nach seiner 22. Saison und also nach Olympia 2014 in Sotschi enden soll.

Das geringste Problem dürfte der Sprungski sein. Der neue Ausrüster fluege.de hat bereits Inter-esse gezeigt, den Eisenerzer unter die Fittiche zu nehmen. Allerdings ist das Skispringen eine derart diffizile Angelegenheit, dass eine Umstellung auf neues Material innerhalb weniger Tage praktisch unmöglich ist. Daher wird Stecher auch die abschließenden Weltcup-Bewerbe in Lahti und auf dem Holmenkollen ob Oslo eher nur daheim im Pitztal vor dem Fernseher miterleben.

Salomon, von Stecher in seiner Anklage gegen Fischer so lobend hervorgehoben, denkt dem Vernehmen nach übrigens nicht daran, ihm das durch Überlassung flotter Laufski zu vergelten. (Sigi Lützow aus Lago di Tesero, DER STANDARD, 1.3. 2013)

Endstand des WM-Großschanzen-Bewerbs der Nordischen Kombinierer am Donnerstag im Val di Fiemme nach dem Langlauf über 10 km: 1. Eric Frenzel (GER) 27:22,8 Min. (1. im Springen/14. im Langlauf) - 2. Bernhard Gruber (AUT) +36,7 Sek. (6./16.) - 3. Jason Lamy Chappuis (FRA) 37,2 (10./4.) - 4. Akito Watabe (JPN) 38,4 (8./15.) - 5. Hideaki Nagai (JPN) 42,3 (12./7.) - 6. Wilhelm Denifl (AUT) 47,7 (7./19) - 7. Sebastien Lacroix (FRA) 50,8 (13./3.) - 8. Magnus Moan (NOR) 57,7 (11./11.) - 9. Haavard Klemetsen (NOR) 58,2 (4./22.) - 10. Johannes Rydzek (GER) 1:07,7 (15./6.). Weiter: 16. Christoph Bieler (AUT) 1:28,1 (2./34.) - 21. Mario Stecher (AUT) 2:39,1 (21./28.)

Bernhard GRUBER (30 Jahre):

Geb.: 12.8.1982 in Schwarzach (S)
Wohnort: Bad Hofgastein
Größe/Gewicht: 1,85 m/71 kg
Familienstand: ledig, 1 Sohn
Verein: SK Bischofshofen
Hobbys: Mountainbiken, E-Gitarre, Schlagzeug, Tennis, Surfen
Homepage: berni-gruber.at

Größte Erfolge:

Olympia: Gold Team und Bronze Großschanze Vancouver 2010
WM: Gold Team Oslo 2011 Normalschanze und Großschanze, Silber Einzel Val di Fiemme 2013 Großschanze
Weltcup: 4 SiegeUniversiade: Zweimal Gold 2005
Junioren-WM: Bronze 2000

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