Wildbienen sind weitaus wichtiger als gedacht

2. März 2013, 17:55
20 Postings

Die wild lebenden Insekten transportieren zwar keine größeren Mengen an Pollen, dafür aber qualitativ hochwertigere

Würzburg - Wildlebende Bienen und andere Insekten sind für der Bestäubung von Pflanzen offenbar weitaus wichtiger als bisher angenommen. Das überraschende Ergebnis der Studie eines internationalen Forscherteams zeigte, dass Wildbienen effizienter bestäuben als ihr domestizierten Verwandten.

Die 50 Wissenschafter hatten weltweit etwa 600 Anbauflächen entweder selbst unter die Lupe genommen oder vorliegende Studien darüber ausgewertet. Dabei untersuchten sie vor allem, ob die Honigbiene allein die Bestäubung von Mais, Raps, Obstbäumen und Co. gewährleisten kann oder ob auch andere Insekten eine Rolle spielen.

Die im Fachmagazin "Science" veröffentlichten Ergebnisse erstaunten die Wissenschafter. "Unsere Daten zeigen, dass viele verschiedene Bestäuberarten noch einmal einen Mehrwert bringen: Sie sichern eine höhere Ernte und auch eine größere Gleichmäßigkeit der Erträge", sagte Ingolf Steffan-Dewenter vom Biozentrum der Universität Würzburg. Weltweit sind etwa 30.000 Wildbienenarten bekannt.

Effiziente Bestäuber

Gleichzeitig stellten die Forscher fest, dass die Wildbienen erfolgreicher arbeiteten. So würden 100 Honigbienen und 50 Wildbienen ein Feld viel besser bestäuben als 150 Honigbienen. Das liege daran, dass die wildlebenden Insekten effizienter seien. Die Wissenschafter gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass die Wildbienen keine größeren Mengen an Pollen transportieren, dafür aber qualitativ hochwertigere.

Wenn Imker also ihre Honigbienen-Völker gezielt neben Felder mit Sonnenblumen, Erdbeeren und Kirschbäume stellen, sichern sie der Forschungsgruppe zufolge damit lediglich einen Grundertrag. Besser werde die Ernte, wenn auch Wildbienen und andere Insekten wie die Schwebfliege oder Käfer hinzu kämen. Ihr Lebensraum sei jedoch in einer von industrieller Landwirtschaft geprägten Agrarlandschaft nicht mehr ausreichend vorhanden. "Die Studie ist ein schöner Beleg dafür, dass man Artenvielfalt benötigt, um die Nahrungssicherheit der Weltbevölkerung zu gewährleisten", sagte Steffan-Dewenter weiter.

Die Forscher ziehen ein klares Fazit: Der Lebensraum der Wildbienen sollte besser geschützt werden. "Es ist ein Umdenken erforderlich", so Steffan-Dewenter. Wildbienen nisten in Totholz in Hecken, Waldrändern oder auch im Boden. Diese naturnahen Räume müssten erhalten, in ihrer Qualität verbessert oder auch neu angelegt werden. "Wichtig ist auch, dass man all diese Dinge nicht gegen die Landwirte, sondern mit ihnen umsetzt." (APA/red, derStandard.at, 02.03.2013)

  • Eine Sandbienen  der Gattung Andrena beim Bestäuben von Heidelbeere-Blüten. Wildbienen und andere Inekten tragen offenbar mehr zur Bestäubung bei als bisher gedacht.
    foto: rufus isaacs

    Eine Sandbienen  der Gattung Andrena beim Bestäuben von Heidelbeere-Blüten. Wildbienen und andere Inekten tragen offenbar mehr zur Bestäubung bei als bisher gedacht.

Share if you care.