Pessimismus im Alter kann das Leben verlängern

28. Februar 2013, 14:25
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Junge Erwachsenen sehen die Zukunft meist unrealistisch rosig - Wissenschafter glauben, dass Schwarzmalerei vorsichtiger macht

Berlin - Deutsche Forscher haben einen überraschenden Zusammenhang festgestellt: Schwarzmaler werden statistisch gesehen älter als Optimisten. Die Wissenschafter befragten über zehn Jahre hinweg dieselbe Personengruppe nach ihren Erwartungen an die Zukunft. Wenn die älteren Teilnehmer ihre zukünftige Zufriedenheit überdurchschnittlich hoch einschätzten, erhöhten sich ihr Risiko für körperliche Einschränkungen oder Beschwerden sowie das Risiko zu sterben um etwa zehn Prozent, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Die Forscher untersuchten in ihrer Studie drei Altersgruppen: 18- bis 39-Jährige, 40- bis 64-Jährige und über 65-Jährige. Die Befragten hatten jedes Jahr angegeben, wie zufrieden sie aktuell mit ihrem Leben waren und wie zufrieden sie in fünf Jahren zu sein glaubten. Im Zeitraum der Untersuchung zwischen 1993 und 2003 überprüften die Wissenschafter bei jedem Befragten sechs Mal, ob der für die Zukunft erwartete Grad der Zufriedenheit fünf Jahre später tatsächlich mit dem aktuell angegebenen übereinstimmte.

Das Ergebnis: Rund 43 Prozent der älteren Befragten unterschätzten ihre zukünftige Zufriedenheit, 32 Prozent überschätzten sie und 25 Prozent schätzten ihre Zufriedenheit in der Zukunft realistisch ein. Was die Forscher überraschte: Schätzten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre zukünftige Zufriedenheit überdurchschnittlich hoch ein, so erhöhte sich ihr Risiko für körperliche Einschränkungen oder Beschwerden und das Risiko zu sterben um etwa zehn Prozent.

Im Gegensatz zu den älteren Menschen zeichneten junge Erwachsenen dabei meist ein unrealistisch rosiges Bild von ihrer Zukunft. Menschen im mittleren Erwachsenenalter dagegen waren weitgehend realistisch. Je älter die Befragten waren, umso pessimistischer schätzten sie ihre Zukunft ein.

Vorsichtige leben

Als Erklärung vermuten die Forscher, dass Schwarzmalerei schlichtweg vorsichtiger mache: "Möglicherweise ermuntern pessimistische Zukunftserwartungen die Senioren dazu, noch besser auf die eigene Gesundheit zu achten und sich vor Gefahren zu schützen", zitierte das DIW den Leiter des Instituts für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Frieder Lang. (APA/red, derStandard.at, 28.02.2013)

  • Ältere Menschen, die eher pessimistisch in die Zukunft blicken, werden statistisch gesehen älter.
    foto: standard/corn

    Ältere Menschen, die eher pessimistisch in die Zukunft blicken, werden statistisch gesehen älter.

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