Warum Linux besser für Spieler ist

28. Februar 2013, 14:14
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Steam, UPlay, Origin und Co. können Nutzer auf einem offenen System nicht einsperren

Valve will den Spielemarkt aufmischen. Die wichtigste Waffe im Arsenal des Konzerns ist dabei das quelloffene Betriebssystem Linux. Und das ist auch gut so, argumentiert GameInformer-Redakteur Adam Biessener, denn am Ende des Tages ist Open Source besser für alle.

Wegbereiter

Gleich mehrere "Steam Boxen" verschiedener Hersteller sollen erscheinen und zur Alternative für gängige Konsolen werden. Dabei handelt es sich bei den Geräten gar nicht so sehr um das, was man unter einem solchen Gerät verstehen würde, sondern um kleinformatige Spiele-PCs mit Linux.

Schon vorher will sich Valve das Feld bereiten und hat die Steam-Plattform offiziell für das von Linus Torvalds aus der Taufe gehobene System gelauncht. Wer sich auf der Homepage den Client herunterladen möchte, wird mit dem mittlerweile bekannten Abbild des Linux-Pinguins dazu ermuntert, sich Ubuntu zu installieren.

Hürdenläufe

Die Chancen, die Linux gleichermaßen Spielern und Entwicklern bietet, sind vielfältig, so Biessener. Nicht wenige Spielehersteller beklagen sich über das strikte Regime der Plattformbetreiber, deren Richtlinien und Bedingungen viel Zeit und Geld kosten. Hat man die Zusatzarbeit erst einmal investiert, um die nötige Zertifizierung zu erhalten, muss man – je nach Spiel und Anbieter – zudem oft saftige Tantiemen für jeden verkauften Titel abdrücken.

Das Ergebnis spiegelt sich im Xbox-Ökosystem wieder. Obwohl die Konsole sehr "vernetzt" ist und viele Onlineservices angeboten werden, gibt es praktisch keine erfolgreichen MMOs. Die Notwendigkeit, für den Rollout von Patches zusätzlich zu bezahlen, macht das Leben der Entwickler ebenfalls nicht leichter.

Microsoft hat auch rund um Windows 8 die Leinen enger gezogen. Nutzer der Version für ARM-basierte Hardware, Windows RT, können gar nur von Microsoft abgesegnete Programme aus dem Store laden und ausführen.

Keine Schranken

Auf Linux gibt es keinen Plattformbetreiber, an den man sich als Spieler binden muss. Als Entwickler kann man seine Produkte nach Gutdünken gestalten und vertreiben. Als Konsument unterliegt man keinen Beschränkungen hinsichtlich dessen, was man mit seinen Games tut oder nicht.

Valve bietet zwar mit Steam eine Distributionsplattform mit eigenen Regeln und Mechanismen an, die es mitunter zu einem Äquivalent des Windows Marketplace und ähnlichen Angeboten machen. Das Unternehmen hat aber keinerlei Kontrolle über das System und die Hardware.

Egal ob man Windows, MacOS oder Linux einsetzt. Valve – und auch die Betreiber anderer Dienste wie Origin oder UPlay - können nicht verhindern, dass man seine Unterhaltungssoftware wo anders bezieht und muss daher auch mit Zusatzdiensten und dichtem Angebot punkten. Spieleschmieden, die mit den Bedingungen nicht einverstanden sind, können ihre Kundschaft trotzdem ohne Hürden erreichen.

Freies System, freie Spieler

Das Gaming-Ökosystem ist am PC wesentlich vielfältiger als auf anderen Plattformen.Wirklich offen für jeden wird es aber nur auf einer nicht-proprietären Plattform bleiben. Auf Linux ist gesichert, dass jeder Entwickler jederzeit seine Software nach dem von ihm bevorzugten Geschäftsmodell vermarktet.

Die Tatsache, dass Linux per se kostenfrei verfügbar ist, bringt auch noch einen Preisvorteil mit ins Spiel. Während 75 Euro beim Kauf eines 1.500-Euro-Rechners eine eher untergeordnete Rolle spielen, ist der Entfall des Betriebssystem-Obulus beim Erwerb eines kleinen Gamingrechners wie einer Steam Box für 400 bis 500 Euro ein deutlich signifikanterer Anteil.

Linux-Gaming ist allerdings noch ein zartes Pflänzchen. Ob dieses langfristig kräftige Wurzeln im Mainstream schlagen kann, wird Valves Initiative weisen. (red, derStandard.at, 28.02.2013)

 

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