Tödliche Proteste nach Kriegsverbrecher-Urteil in Bangladesch

28. Februar 2013, 15:59
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21 Tote bei Gewalt nach Todesurteil gegen Islamisten - Polizei soll auf Demonstranten geschossen haben

Dhaka - Für Gräueltaten im Unabhängigkeitskrieg 1971 hat ein Sondertribunal in Bangladesch einen Islamistenführer zum Tode verurteilt. Nach dem Richterspruch vom Donnerstag lieferten sich Islamisten in mehreren Städten schwere Straßenkämpfe mit der Polizei. Nach Medienberichten starben mindestens 21 Menschen, es gab viele Verletzte.

Das Gericht in der Hauptstadt Dhaka sprach Delawar Hossain Sayedee schuldig, in dem neunmonatigen Krieg gegen Pakistan an Morden, Plünderungen, Brandstiftung, Vergewaltigungen und der Zwangskonvertierung zum Islam beteiligt gewesen zu sein. Sayedees Anwalt kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen. Sein Mandant ist Vizepräsident von Jamaat-e-Islami, der größten islamistischen Partei Bangladeschs.

Polizei soll auf Demonstranten geschossen haben

Nach Darstellung der Jamaat-Partei eröffnete die Polizei das Feuer auf die Demonstranten, wobei zahlreiche Menschen starben. Nach Polizeiangaben töteten Protestierer im Norden des Landes zwei Polizisten. Auch hätten die Demonstranten eine Brücke zwischen Dhaka und der Hafenstadt Chittagong in Brand gesetzt.

Das Kriegsverbrechertribunal hatte bereits im Jänner den früheren Jamaat-e-Islami-Chef Abul Kalam Azad wegen Kriegsverbrechen in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er ist untergetaucht. Anfang Februar erhielt der stellvertretende Generalsekretär der Partei, Abdul Quader Mollah, eine lebenslange Haftstrafe.

Islamisten sehen "Schauprozesse"

Seit mehr als drei Wochen demonstrieren Zehntausende friedlich in Dhaka und anderen Städten. Sie fordern für die Kriegsverbrecher die Todesstrafe und ein Verbot von Jamaat-e-Islami. Ihnen stehen die islamistischen Protestierer gegenüber. Sie kritisieren die Verfahren gegen 13 mutmaßliche Kriegsverbrecher als "Schauprozesse". Immer wieder kommt es zu tödlichen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Das heutige Bangladesch war nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1947 zunächst ein Teil Pakistans. 1971 erkämpfte es sich in einem blutigen Krieg mit indischer Unterstützung die Unabhängigkeit. Nach Schätzungen von Historikern starben zwischen 300.000 und drei Millionen Menschen. (APA, 28.2.2013)

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    Die Polizei in Bangladesch soll auf Demonstranten geschossen haben

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