EU beschließt Jobgarantie für Jugendliche

28. Februar 2013, 14:32
382 Postings

Vier Monate nach dem Ende ihrer Ausbildung sollen unter 25-Jährige zumindest einen Praktikumsplatz bekommen

Brüssel - Die Zahlen sind alarmierend: Ende 2012 waren mehr als 5,7 Millionen junge Europäer arbeitslos, das sind mehr als 23 Prozent. In Krisenländern wie Griechenland und Spanien ist sogar mehr als die Hälfte der Jugendlichen auf Jobsuche. Dem will die EU gegensteuern.

Zumindest Praktikumsplatz

Lange wurde darüber diskutiert, jetzt haben die Arbeitsminister eine "Jobgarantie" für junge Menschen beschlossen. Demnach soll jeder Europäer unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten, nachdem er eine Stelle verloren oder eine Ausbildung beendet hat, ein Angebot für einen Arbeits-, Ausbildungs- oder zumindest für einen Praktikumsplatz bekommen.

"Mit der Jugendgarantie haben junge Menschen eine wirkliche Chance auf eine bessere Zukunft", sagte Kommissionschef Jose Manuel Barroso. Er appellierte an die Staaten, der Vereinbarung so schnell wie möglich Taten folgen zu lassen. Für die Umsetzung des Plans sind nämlich die einzelnen EU-Mitglieder zuständig. Die EU kann in arbeitsmarktpolitischen Fragen nur Empfehlungen aussprechen.

Vorschlag der Kommission

Der Beschluss geht auf einen Vorschlag der Kommission zurück. EU-Sozialkommissar Andor präsentierte das Projekt im Dezember 2012 und forderte die Mitgliedsstaaten dazu auf, gemeinsam mit den Sozialpartnern konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie diese Garantie aussehen könnte. Die Umsetzung der Pläne wolle die Kommission bewerten und überwachen, sagte er.

Die Umsetzung des Projekts würde rund 21 Milliarden Euro kosten, schätzte Andor damals. Aus dem EU-Budget 2014-2020 stehen laut "Kurier" sechs Milliarden Euro für den Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit zur Verfügung.

Der volkswirtschaftliche Verlust aber, den junge Menschen von 15 bis 29 Jahren verursachen, die weder am Arbeitsmarkt beschäftigt noch in Ausbildung sind, wurde allein für das Jahr 2011 auf 153 Milliarden Euro geschätzt. Dies entspricht etwa 1,2 Prozent des gesamteuropäischen Bruttoinlandsprodukts (BIP), wie die europäische Agentur Eurofound im Herbst des Vorjahres in einem Bericht zur Jugendarbeitslosigkeit feststellte. Und die Zahlen sind in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen: Im Jahr 2008 hatten sich die Kosten auf "lediglich" 120 Milliarden Euro oder ein Prozent des BIPs belaufen.

Vorbild Österreich

Als Vorbild der Garantie gelten Modelle in Österreich und in Finnland. Seit 2008 hat hierzulande jeder Jugendliche, der nach dem Pflichtschulabschluss keine betriebliche Lehrstelle bekommt, das Recht darauf, eine überbetriebliche Lehrausbildung zu absolvieren. Das AMS ist zudem dazu verpflichtet, arbeitslosen Jugendlichen Job- und Kursangebote zu machen. (APA/red, derStandard.at, 28.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Empörten: Jugendproteste gegen die Sparpolitik in Portugal. Im Jahr 2000 lag die Jugendarbeitslosigkeit bei 9,6 Prozent. Die Nebenwirkungen des portugiesischen Sparprogramms trieben sie auf 40 Prozent.

Share if you care.