Die Austria liebt die Langeweile

28. Februar 2013, 15:06
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Der souveräne Tabellenführer hat auch in Ried nichts anbrennen lassen. Der erste Meistertitel seit 2006 rückt näher

Wien - Peter Stöger taugt die Fadesse. Er wird nicht müde, sich zu wiederholen. Der Trainer der Wiener Austria sagt mit gefasster Begeisterung, aber doch sehr selbstbewusst, "dass die Souveränität der Mannschaft toll ist". Unmittelbarer Anlass war das 3:1 am Mittwoch in Ried, da kann er nämlich salopp hinzufügen: "Dort gewinnt man nicht leicht."

Am Samstagabend, nach dem Match gegen Wacker Innsbruck, muss er sich etwas anderes einfallen lassen. "Dort gewinnt man nicht leicht" wäre eine absolute Themenverfehlung, es handelt sich nämlich um ein Heimspiel in der Generali Arena. Das weitere Programm klingt auch nicht gerade hochdramatisch, zwei Reisen führen nach Wiener Neustadt beziehungsweise Mattersburg. Dazu fällt Stöger ein: "Nicht so einfach, all diese Mannschaften kämpfen ums Überleben."

Die Austria hat dafür Hunger. Stöger ist überzeugt, "dass dieses Gefühl anhält. Jeder sieht die einmalige Chance, Meister zu werden. Die Spieler haben das verinnerlicht, das treibt sie an." Er führt genüsslich einige Zahlen an, "die einen nicht unbeeindruckt lassen können". Keine Auswärtsniederlage in 23 Runden, 14- mal hintereinander ungeschlagen, 57 Punkte, da droht ein Landesrekord. "17 Zähler mehr als Rapid zu haben gibt einem schon Berge."

Die Austria hat stets Lösungen parat. Gegen Ried kassierte sie in der Nachspielzeit des ersten Abschnitts das 1:1, normalerweise kann das zu einer Schockstarre führen. "Wir sagten uns: Gut, dass Pause ist, da kann man darüber sprechen und alles korrigieren."

Seit Monaten wird auf den Einbruch gewartet, zum Beispiel von den eigenen Fans . "Weil es immer so war. Ich bin dafür, dass man Dinge auch ändern kann", sagt Stöger. "Der Gesunde denkt oft: Hoffentlich werde ich nicht krank. Das kann zu einer Verunsicherung führen. Wir beschäftigen uns mit der Gegenwart."

Die Austria trete gar nicht so dominant auf. "Aber wir spielen und reagieren gut." Mag sein, dass der Kader optimal zusammengestellt, die Rangordnung perfekt sei. "Allerdings sind es zu 95 Prozent jene Leute, die im Vorjahr die Qualifikation für den Europacup verpassten."

Die bescheidene österreichische Bundesliga scheint einem internationalen Trend zu folgen. In Deutschland ist Bayern München davongezogen, in England Manchester United, in Spanien Barcelona, in Italien Juventus. Stöger hat keine Erklärung. "Weil ich darüber wirklich nicht nachgedacht habe."

Einige Fragen sind zu klären. Wird Wolfsberg termingerecht fertig? Auch das Match am Sonntag gegen Rapid wackelt, die Kärntner hätten im Falle einer Absage schon drei Partien weniger. Und der ORF hätte keine Live-Spiel. Red Bull Salzburg ist auch mit zwei im Minus, der Rückstand von 15 Zählern täuscht leicht. Stöger: "Ich gehe davon aus, dass es in Wahrheit nur neun sind. Für uns ist es auch nicht lustig, immer vorlegen zu müssen. Aber wir gehen damit sehr gut um. Für die Salzburger ist es noch unlustiger." Stögers Wunsch: "Eine Fortsetzung der Fadesse." (Christian Hackl, DER STANDARD, 1.3.2013)

  • Peter Stöger (46) weiß, dass der Fußball nicht einfach ist.
    foto: apa/ fohringer

    Peter Stöger (46) weiß, dass der Fußball nicht einfach ist.

  • Stöger via Facebook: "Dann ist es unsere Form von Protest, nicht mehr auf die Tribüne zur Verabschiedung zuzugehen."

    Stöger via Facebook: "Dann ist es unsere Form von Protest, nicht mehr auf die Tribüne zur Verabschiedung zuzugehen."

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