ÖH budgetiert schon ziemlich gendergerecht

28. Februar 2013, 12:29
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Ein Forschungsprojekt untersuchte die Auswirkung der Ausgaben auf Frauen und Männer - Frauen arbeiten mehr ehrenamtlich

Wien - Das Budget der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) ist bereits ziemlich gendergerecht. In einem Forschungsprojekt haben Wissenschafterinnen um Katharina Mader vom Institut für Institutionelle & Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität (WU) unter anderem die Auswirkung der Ausgaben der ÖH auf Frauen und Männer bzw. die Gleichstellung der Geschlechter analysiert. "Wir haben bisher noch kaum ein Budget gesehen, das so auf neutral gekommen ist", so Mader bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

"Budgets spiegeln politische Zielsetzungen wider und sind damit keine neutralen oder geschlechterneutralen Instrumente", meinte Mader. "Über Budgets kann man ganz stark Gleichstellung fördern." Untersucht wurde etwa, wer in welcher Weise Nutzen oder keinen Nutzen aus dem ÖH-Budget gezogen hat bzw. wer wie viel unbezahlt arbeitet. Ergebnis: Aufgrund der hauptsächlich ehrenamtlichen Struktur der ÖH sei dieser Bereich sehr wenig formalisiert: "Der faktische Arbeitsablauf gibt die Regeln vor."

Empfohlenen: Verbindliche Regeln

Unter anderem wurde über eine Woche eine Zeiterhebung der ehrenamtlichen Mitarbeit von elf Frauen und zehn Männern durchgeführt. Die Frauen kamen dabei auf einen Medianwert von rund 20 Wochenstunden, die Männer auf rund die Hälfte. Mader erklärte dies mit der überdurchschnittlichen Arbeitsbelastung des ÖH-Vorsitzes, der mehrheitlich von Frauen gestellt wird.

Gleichstellungspolitik macht die ÖH finanziell durch diverse Fördertöpfe bzw. strategisch in den Koalitionsverträgen für die Exekutive. Dies sei historisch gewachsen, einheitliche Regelungen und messbare Kriterien würden aber fehlen, so Mader. Die Studie empfiehlt daher die Erarbeitung verbindlicher Regeln.

Eindämmung der "Ehrenamtlichen"

Weitere Vorschläge: Bei der Projektvergabe sollte die ÖH bei den Honoraren darauf achten, dass diese möglichst 50:50 an beide Geschlechter fließen, bei externen Förderungen solle berücksichtigt werden, ob in den unterstützten Organisationen auch Frauenförderung betrieben werde. Für die interne Organisation der ÖH wird wiederum angeregt, zur Eindämmung der Arbeitsbelastung der "Ehrenamtlichen" zu Spitzenzeiten wie etwa im Wirtschaftsreferat zur Erstellung von Jahresvoranschlag und -abschluss externe Unterstützung anzuheuern.

Die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Angelika Gruber (Verband Sozialistischer StudentInnen/VSStÖ) kann sich vorstellen, das derzeit gesetzlich festgeschriebene Prinzip der ehrenamtlichen ÖH-Tätigkeit grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen. "Um die Debatte kommt man nicht herum." Innerhalb der ÖH gebe es dazu aber keine einheitliche Meinung. (APA, 28.1.2013)

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