Wenn Krisengewinnler draufzahlen

28. Februar 2013, 12:26
1 Posting

Volatilitätsfonds sollen Anlegern Schutz bieten, doch bei genauem Hinsehen handelt es sich um eine kostspielige Versicherung

Seit einigen Jahren trommeln die Investmentbanken und so manche Fondsgesellschaft: Volatilität ist eine Assetklasse. Hinter dem Wort verbirgt sich nicht nur ein häufig verwendetes Maß für Risiko. Mithilfe von Indizes, Futures und Optionen ist eine recht breite Palette an Produkten aufgelegt worden, die Anlegern die Möglichkeit geben soll, von steigender Nervosität an den Kapitalmärkten und damit höherer Volatilität zu profitieren.

Die Idee hinter einem Investment in diesem Bereich ist klar: Die Volatilität steigt immer dann, wenn die Aktienmärkte fallen (siehe Link). Für ein Portfolio heißt das, dass man immer dann Gewinne aus einer Vola-Position zu erwarten hat, wenn die Aktienmärkte grade fallen. Technisch gesprochen ist die Volatilität negativ zu den Aktienmärkten korreliert, wie etwa die Daten von Morningstar zeigen.

So weit so gut. Doch die Investition in Volatilität ist nicht so einfach. Denn Indizes wie der VIX oder der VDAX sind nicht direkt investierbar. Stattdessen müssen Fonds Futures oder Optionen handeln. Doch dabei fallen hohe Rollverluste und Handelskosten an. Die Konsequenz: viele Volatilitätsprodukte eignen sich nicht für langfristige Investitionen. Das zeigt etwa ein Blick auf die vergangenen sechs Monate. Obwohl die Volatilität zuletzt massiv gestiegen ist (Stichwort: Italienwahl), hat das größte Volatilitäts-Produkt in den USA, der passive Fonds iPath S&P 500 VIX ST Futures (VXX), über 40 Prozent verloren. Dieser massive Abstand zwischen dem Fonds VXX und dem Index VIX ist auf die Rollverluste zurückzuführen. Weil die länger laufenden Futures höhere Preise erzielen als die kurzfristigen, fallen bei langfristigen Investitionen teils massive Rollverluste an.

Geeignet für kurzfristige Wetten

Vehikel wie der VXX eignen sich daher maximal für kurzfristige Wetten auf steigende Volatilität. Doch eine Reihe von aktiven Fonds verspricht Abhilfe gegen die Verluste aus dem Rollen auf der Futures-Kurve. So bietet der französische Anbieter Amundi die wohl europaweit größte Palette an Volatilitäts-Produkten an. Diese Fonds setzen auf eine Eigenschaft der Volatilität, die "Mean Reversion", also die Rückkehr zum Mittelwert. Phasen von sehr hoher Volatilität halten nicht lange an, also können Anleger davon profitieren, wenn sie in diesem Fall auf sinkende Volatilität setzen. Umgekehrt, kann man davon ausgehen, dass die Vola steigt, wenn die Nervosität an den Märkten gerade sehr gering ist (wie etwa vor zwei Wochen).

Doch auch diese Methode schützt nicht vor Verlusten. So mussten etwa der Amundi Europa Fonds in den vergangenen zwölf Monaten Verluste von rund 6,5 Prozent verbuchen. Auch andere Volatilitäts-Fonds haben gerade im vergangenen halben Jahr wegen der geringen Sorge der Anleger und dem damit verbundenen Rückgang der Volatilitäts-Indizes massiv Federn lassen müssen.

Volatilität klingt zwar auf den ersten Blick nach einem sinnvollen Investment. Bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich aber als sehr kostspielige Versicherung. Wie Morningstar-Analyst Gordon Rose betont, eignet sich diese Assetklasse höchstens zur sehr kurzfristigen Absicherung von Risiken. (Lukas Sustala, derStandard.at, 28.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Es gilt der alte Grundsatz: Sicherheit kostet.

Share if you care.