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Europäische Koordination in der Energiepolitik gefragt

19. März 2013, 00:00
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Die drei Ziele der europäischen Energiepolitik, nämlich eine sichere, saubere und leistbare Energieversorgung zu gewährleisten, befinden sich derzeit in einem Spannungsverhältnis. Dieses muss aufgelöst werden, um die Ziele zu erreichen. Für eine umfassende Neugestaltung des Marktdesigns für die Energiewirtschaft spricht sich daher der europäische Elektrizitätswirtschaftsverband Eurelectric aus.

Um bis Mitte des Jahrhunderts ein weitgehend CO2-neutrales Wirtschaftssystem ("low carbon economy") zu erreichen, spielt eine leistungsstarke E-Wirtschaft eine entscheidende Rolle. Diese könnten laut einer Eurelectric-Studie (Powering Investments: Challenges for the Liberized Electricity Sector) aber nur wahrnehmen, wenn die EU entsprechendes Gewicht auf technische Innovation im Energiesektor lege, und die diesbezüglichen Anstrengungen der E-Wirtschaft unterstütze. Gefragt seien hoch effiziente und hoch flexible thermische Kraftwerke ebenso wie noch leistungsfähigere Wasser- sowie Pumpspeicherkraftwerke, und nicht zuletzt innovative Speichertechnologien wie Power-to-Gas und neue Batteriesysteme.

Gerade was die Pumpspeicher betrifft, besteht dringender Handlungsbedarf, wie das Engineering-Unternehmen Pöyry in einer Studie im Auftrag von Oesterreichs Energie feststellte. Zurzeit bestehen in Europa rund 170 Pumpspeicherkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 45 GW. Im besten Fall können bis 2020 weitere 60 Anlagen mit 27 GW errichtet werden. Aber auch das würde nicht genügen, um die schwankende Stromerzeugung der Wind- und Solaranlagen auszugleichen. Pumpspeicher sind die einzige großtechnisch verfügbare und bei einer guten Auslastung auch die wirtschaftlichste Technologie zur "Speicherung" von Strom. Sie bieten damit die Möglichkeit die wetterabhängig erzeugten erneuerbaren Energien nach Bedarf zeitlich unabhängig zu nutzen. Damit spielen sie eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Energiewende. Allerdings kann man ein Pumpspeicherkraftwerk nicht von heute auf morgen bauen: Von der Vorstudie bis zur Inbetriebnahme können fünf bis zehn Jahre vergehen. Es muss daher heute mit der Arbeit begonnen werden, damit im nächsten Jahrzehnt ausreichend Speicherkapazität zur Verfügung steht.

Mehr Leitungen und Speicher

Pumpspeicher unterliegen hierzulande einer wenig förderlichen "Sonderbehandlung". Ihre Betreiber müssen sowohl für die Einspeisung von Strom in das Netz, als auch für die Entnahme von Pumpstrom aus dem Netz Entgelt leisten - eine Regelung, die es nirgendwo sonst in Europa gibt. Trotz derlei "Spezialitäten" hat Österreich nach Auffassung von em. Univ.-Prof. Günther Brauner, ehemaliger Vorstand am Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe der TU Wien, "eine gute Ausgangssituation", um die Herausforderungen durch eine gesamteuropäische Energiewende zu meistern. Brauner hält eine solche Wende für durchaus vernünftig. Sie senke die CO2-Emissionen, schaffe Arbeitsplätze und bringe "einen wirtschaftlichen Turnaround". Um im gesamten Energiesektor eine Wende zu erreichen, müssen fossile Brenn- und Antriebsstoffe durch Strom ersetzt werden. Daher ist davon auszugehen, dass der Strombedarf trotz erhöhter Effizienzmaßnahmen bis 2050 um 50% höher sein wird als heute.

"Das heißt natürlich auch, wir brauchen mehr Leitungen und mehr Speicher", konstatiert Brauner. Andernfalls werde der Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland ab etwa 2020 zu einem veritablen Problem, warnt er.

Spätestens dann werde die Stromerzeugung aus Wind- und Photovoltaikanlagen den Spitzenverbrauchswert "dramatisch übersteigen". Brauner: "Wir werden mehr Energie haben, als wir speichern, verbrauchen oder transportieren können." Er fordert daher einen „Paradigmenwechsel bei den erneuerbaren Energien". Es gehe nicht mehr, zu jeder Tages- und Nachtzeit jede beliebige Strommenge einzuspeisen, ohne dabei Rücksicht auf den "Rest" des Energiesystems zu nehmen.

Ähnlich wie bei der Photovoltaik werde es daher künftig auch bei der Windkraft notwendig sein, die Anlagen erforderlichenfalls bei etwa 70 Prozent ihrer Maximalleistung vom Netz nehmen zu können. Dies sei auch aus volkswirtschaftlicher Sicht zu empfehlen: "Damit verzichtet man auf rund 15 Prozent der Energie, spart aber 30 bis 50 Prozent an neu zu errichtender Leitungskapazität." Es sei schlicht unsinnig, den Ausbau der Erneuerbaren und den Netzausbau getrennt voranzutreiben, wie dies derzeit nur allzu oft erfolge.

Umfassende Anpassung des Marktdesigns

In einem Interview plädiert auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbund, Johann Sereinig, "für eine rasche und umfassende Anpassung des derzeitigen Strom- und CO2-Marktdesigns.

Sereinig verweist auf eine Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität zu Köln (EWI). Laut dieser erfolgt der Ausbau der "Erneuerbaren" in Europa zurzeit "nach den höchsten Fördertarifen und nicht nach den besten geographischen Potenzialen".

Ein marktorientiertes Sechs-Punkte-Programm für die europäische Energiepolitik, das von Verbund in den vergangenen Monaten ausgearbeitet wurde, könnte Abhilfe schaffen. Erstens müsse der CO2-Markt gründlich reformiert werden. Zurzeit bestehe die "paradoxe Situation, dass Gaskraftwerke nicht wirtschaftlich sind, Braunkohlekraftwerke mit den höchsten spezifischen CO2-Emissionen aber schon."

Ein weiterer wichtiger Punkt für das Gelingen der Energiewende betrifft die Integration der neuen Erneuerbaren. Die Europäische Kommission tritt dafür ein, dass die neuen Erneuerbaren möglichst rasch wettbewerbsfähig und effizient in den Markt integriert werden. Dazu ist es zusätzlich zur Reformierung des CO2-Marktes notwendig, dass bestehende Subventionen für konventionelle Kraftwerke (v.a. Kernkraftwerke) beendet und Subventionen für neue Erneuerbare mit dem Erreichen der Marktreife befristet werden. Ebenso ist eine europaweit harmonisierte, technologieneutrale Förderpolitik unter Berücksichtigung des technologischen Fortschritts erforderlich.

Stabile regulatorische Rahmenbedingungen

Weiters fordert das Sechs-Punkte-Programm eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren sowie attraktive und stabile regulatorische Rahmenbedingungen und die Festlegung prioritärer Netzprojekte. Dies deckt sich zumindest hinsichtlich der Übertragungsnetze weitgehend mit der Infrastrukturrichtlinie der EU, die noch heuer in Kraft treten soll.

Österreich kann laut Sereinig "aufgrund seiner geografischen Positionierung im Zentrum Europas und seiner hervorragenden Topographie einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der europäischen Energiewende leisten. Die Einbindung des hochflexiblen, leistungsstarken und modernen österreichischen Kraftwerksparks unterstützt Europas Kurs beim Ausbau der Erneuerbaren und trägt zu einer kosteneffizienten Sicherstellung der Versorgung bei."

Überdies könne Österreich eine wichtige Rolle spielen, was die grundsätzliche Ausrichtung der europäischen Energiepolitik betreffe. Schon seit jeher sei Österreich "für offene und freie Märkte eingetreten. Diese Positionierung hat sich, wie die Entwicklungen am europäischen Energiemarkt zeigen, als richtig herausgestellt und kann daher in Europa als Vorbild gelten."

Zurzeit bestehe "in einer Reihe von EU-Mitgliedstaaten, insbesondere durch die massive Förderung der neuen Erneuerbaren, ein ordnungspolitisches Hybridmodell zwischen Regulierung und Markt. Die europäische Energiepolitik sollte daher rasch bestehende und zum Teil heterogene regulatorische Eingriffe zurücknehmen und eine klare marktbasierte Ausrichtung vorgeben, um eine nachhaltige Investitionsbereitschaft im Sinne eines funktionierenden europäischen Strombinnenmarkts sicherzustellen."

  • Derzeit sind Gaskraftwerke nicht wirtschaftlich, Braunkohlekraftwerke, die die höchsten CO2-Emissionen haben, aber schon.
    foto: verbund

    Derzeit sind Gaskraftwerke nicht wirtschaftlich, Braunkohlekraftwerke, die die höchsten CO2-Emissionen haben, aber schon.

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