Telekom-Prozess: Starkes Signal

Kommentar27. Februar 2013, 18:25
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Korruption wird neuerdings auch in Österreich geahndet

Für die kommenden Verfahren in der Causa Telekom sind die Urteile vom Mittwoch zweifellos ein starkes Signal. Korruption ist, wenngleich von Strafverteidigern als ortsübliches Gegengeschäft verharmlost, ein Verbrechen. Und selbiges wird neuerdings sogar in Österreich geahndet. Selbst honorige, nach Proporz bestellte Vorstandsdirektoren müssen mit Haftstrafen rechnen.

Unabhängig davon, ob die vom Gericht verhängten Strafen vom Obersten Gerichtshof bestätigt werden: Millionenboni dank "Kurspflege", Scheinaufträge zur Bargeldgenerierung, Wahlkampf- und Druckkostenbeiträge für so gut wie jede Partei - in der Telekom war alles möglich. Dass Kursmanipulation vor neun Jahren nicht strafbar war, weil es der Gesetzgeber nicht für wert befunden hatte, an der Wiener Börse für Hygiene zu sorgen, rundet das Bild ab.

Dass die Ex-Telekom-Chefs rund um Heinz Sundt (er wurde als Einziger freigesprochen) dieses Biotop zumindest geistig noch nicht verlassen haben, zeigt der Umgang mit den Erfolgsprämien: Kaum einer zahlte das auf Abwegen erzeugte Geld zurück.

Das ist aber nicht der einzige bittere Beigeschmack: Wäre es der Telekom ernst mit Aufräumen, aufschlussreiche Vorstandsmails wären wohl nicht verschwunden (die des "Kronzeugen" wurden ja aufgespürt), und der Konzern hätte der Staatsanwaltschaft Einblick in seine Buchhaltung gewährt. Dann wäre wohl mehr Licht ins Dunkel gekommen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 28.2.2013)

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