Bildungsprogramm der Sozialpartner: Nebenregierung macht's vor

Kommentar27. Februar 2013, 18:13
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Die Regierung bräuchte nur zugreifen, wenn sie sich denn trauen würde

Sie werden ja manchmal etwas despektierlich als "Nebenregierung" tituliert: die Sozialpartner. Aber mit ihrem neuen Bildungsprogramm haben Arbeiter-, Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer sowie Gewerkschaftsbund ein elaboriertes bildungspolitisches Konzept auf der Höhe der Zeit und in die Zukunft weisend vorgelegt, zu dem man nur sagen kann: schade, dass es "nur" die Nebenregierung ist, die so etwas hinkriegt, die solche Sprünge über ideologische Hürden und parteipolitische Gräben schafft - und nicht die "richtige" Regierung.

Die bräuchte jetzt nur zugreifen, wenn sie sich denn trauen würde. Denn die Sozialpartner zielen auf lang schwelende Probleme im Bildungssystem. Die Neudefinition der Schulpflicht etwa lässt sich unter das Motto " Abschließen statt absitzen" subsumieren. Es soll nicht mehr wie bisher reichen, neun Jahre abzusitzen - egal, was mit den gescheiterten Schulexistenzen passiert. Hurra, die Schule ist sie los! Die Gesellschaft aber nicht. Also soll jeder - jeder! - Jugendliche mit 15 gleiche Mindeststandards erfolgreich und verlässlich vermittelt bekommen haben.

Das ist eine radikale Neuorientierung. Da ist es gar nicht nötig, das Wort Gesamtschule auszusprechen, auch wenn genau das gemeint ist. Vielleicht ist das ja die ironische Reverenz der Nebenregierung an die Regierung: Sie wissen, wie die anderen ticken. Aber sie wissen auch: Wenn Sozialpartner lernfähig sind, sind es Parteien vielleicht auch. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 28.2.2013)

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