Glaspalast der Sammelleidenschaft

27. Februar 2013, 18:40
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Die Kunstkammer des KHM wird am Donnerstag feierlich wiedereröffnet. Sie überzeugt mit der Pracht der Objekte, der schieren Fülle und der geglückten Inszenierung, einem Spiel mit Licht und Spiegelungen

Die Kunstkammer neu zu präsentieren ist kein einfaches Unterfangen. Das Konzept aus dem Jahr 1925 zum Beispiel wurde erst 1935 umgesetzt. Und es gab damals eine Rüge, denn die Kosten waren von genehmigten 100.000 auf 189.000 Schilling angestiegen. Sabine Haag, seit 2009 Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, versichert aber, dass man nun im Rahmen (18,56 Millionen Euro) geblieben sei.

Dem KHM gelang es, 3,5 Millionen an Drittmitteln aufzutreiben. Und es setzte eine schöne, unübliche Geste: Auf der Ehrentafel dankt das Museum in erster Linie nicht den Politikern, sondern den "SteuerzahlerInnen". Schließlich haben sie zu 80 Prozent die Neuaufstellung der seit 2002 geschlossenen Kunstkammer finanziert.

Die ersten Kunstkammern entstanden im 15. Jahrhundert vor allem in Italien: Die Herrscher, darunter die Medici, sammelten Artefakte und Gegenstände, die selten oder besonders waren - unabhängig vom materiellen Wert. Der riesige Bestand im KHM geht auf mehrere Habsburger-Sammlungen zurück, darunter auf die Wunderkammer Ferdinands II. von Tirol (1529-1595) auf Schloss Ambras bei Innsbruck, die Kunstkammer Kaiser Rudolfs II. (1552-1612) in Prag und jene von Erzherzog Leopold Wilhelm (1614-1662).

Die Neuaufstellung geht einerseits chronologisch vor, beginnt also mit der kirchlichen Schatzkunst des Mittelalters; hervorzuheben ist u. a. ein Aquamanile (Gießgefäß) in Form eines Greifen von 1120/1130. Andererseits stehen die Sammler im Zentrum.

Einer der Höhepunkte ist der Saal XXVII: Rund um eine Büste Rudolfs II. von Adriaen de Vries sind kreisförmig zahlreiche Vitrinen mit faszinierenden Automaten und barockem Nippes angeordnet. Der mechanische Himmelsglobus, die Uhr mit dem reitenden Pascha oder jene mit Diana auf dem Kentauren stehlen sich gegenseitig die Schau. Die Vielfalt an Materialien, Formen und Figuren beeindruckt generell. Das "Schaubuffet" etwa zieht mit Schüsseln, Trinkhörnern, Deckelpokalen, Henkelkrügen, Salzfässchen, Schüsseln und Schalen, in der Regel reich verziert, in seinen Bann. Wiewohl ein "Saalregent", sticht die Saliera von Benvenuto Cellini gar nicht heraus.

Die neuen Vitrinen mit den LED-Leuchten von HG Merz rücken die Objekte ins rechte Licht.

Die Neuaufstellung ist vor allem eine auf Wirkung bedachte Inszenierung mit Licht. Museumsgestalter HG Merz aus Stuttgart setzte für die schummrige Grundbeleuchtung 51 Starbrick-Luster von Olafur Eliasson ein, die auch Spots auf einzelne Objekte ermöglichen; er selbst entwarf die sehr dezenten, hohen Vitrinen (300 Stück in 80 verschiedenen Maßen): Die in die Decke integrierten LED-Leuchten lassen die Artefakte richtiggehend erstrahlen. Da Merz die schlanken Vitrinen zumeist in Reih und Glied anordnet, kommt es zu reizvollen Spiegelungen: Die Objekte vervielfachen sich und bekommen eine flirrende Aura aus Glanz. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 28.2.2013)

Ab 1.3.; Eintritt nur innerhalb eines gebuchten "Zeitfensters"

  • Beispiele für die Vielfalt: Eine "Venus felix" von Pier Jacopo Alari-Bonacolsi (um 1500), ...
    foto: kunsthistorisches museum wien

    Beispiele für die Vielfalt: Eine "Venus felix" von Pier Jacopo Alari-Bonacolsi (um 1500), ...

  • ... Kaiser Ferdinand III. in Gestalt einer Büste aus bemaltem Wachs (um 1643), ...
    foto: kunsthistorisches museum wien

    ... Kaiser Ferdinand III. in Gestalt einer Büste aus bemaltem Wachs (um 1643), ...

  • ... ein Aquamanile (ein Krug zum Händewaschen) in Gestalt eines Greifen (frühes 12. Jhdt.) ...
    foto: kunsthistorisches museum wien

    ... ein Aquamanile (ein Krug zum Händewaschen) in Gestalt eines Greifen (frühes 12. Jhdt.) ...

  • ... und ein "Globuspokal" von Abraham Geßner (nach 1587).
    foto: kunsthistorisches museum wien

    ... und ein "Globuspokal" von Abraham Geßner (nach 1587).

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