Sozialpartner wollen Aus für Poly und Reform der Schulpflicht

27. Februar 2013, 17:58
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Sozialpartner fordern auch verpflichtende Bildungsziele und zwei Pflichtkindergartenjahre

Wien - Die Sozialpartner fordern eine grundlegende Bildungsreform, die unter anderem ein zweites verpflichtendes, kostenfreies Kindergartenjahr, eine Reform der Schulpflicht sowie das Aus für die Polytechnische Schule, aber auch die Einführung von Berufsakademien als Hochschulform beinhaltet. Die Spitzen von Arbeiter- (Herbert Tumpel, SPÖ), Wirtschafts- (Christoph Leitl, ÖVP) und Landwirtschaftskammer (Georg Astl, ÖVP) sowie ÖGB (Erich Foglar, SPÖ) präsentierten am Mittwoch ihr gemeinsames neues Bildungsprogramm.

Die Schulpflicht soll nicht wie bisher - erfolgsunabhängig - mitunter auch durch bloßes Absitzen der neun Jahre erfüllt werden können, sondern künftig sollten alle Schülerinnen und Schüler einheitliche Bildungsziele mit Mindeststandards in Deutsch, Englisch, Mathematik sowie verpflichtende Berufsinformation und Potenzialanalyse, aber auch Persönlichkeits- und Berufsvorbildung erworben haben, um ihren Pflichtschulabschluss zu erlangen. Wer diese nach neun Jahren nicht schafft, soll bis zu zwei Jahre zusätzlich Zeit dafür bekommen oder in eine integrative Berufsausbildung eintreten.

Die Polytechnische Schule wäre in diesem Modell überholt und sollte abgeschafft werden, die Neue Mittelschule (NMS) sollte dann fünf statt vier Jahre dauern, Poly-Lehrer würden für Berufsfachorientierung eingesetzt.

Die politisch heikle Frage der Schulorganisation - gemeinsame Schule oder gegliedertes System - wollen die Sozialpartner nicht explizit beantworten. Sie beharren nur auf gemeinsamen Inhalten für alle Schüler bis zur neunten Stufe: "Es kommt auf gleiche Inhalte an, nicht die Schilder", sagte Leitl. Tumpel etwas konkreter: "Die Entscheidung für die weitere Laufbahn soll erst nach der neunten Schulstufe getroffen werden."

Platter will "Eisbrecher" sein

Keine Berührungsängste hat Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Er will "Eisbrecher in der Bildungslandschaft" sein und sagte am Mittwoch, dass das Schulzentrum Zell am Ziller ab 2014/15 Modellschule für die Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen sein wird. (nim/ver, DER STANDARD, 28.2.2013)

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    Erich Foglar, Herbert Tumpel und Christoph Leitl (v.l.n.r.) präsentierten am Mittwoch ein neues Bildungsprogramm.

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