Vorarlberg: Bauern und Jäger streiten über TBC

27. Februar 2013, 18:56
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Montafoner Bauern machen sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Tiere. Sie fordern rigorose Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Tuberkulose. Jäger sehen das als Stimmungsmache

Bludenz - In Silbertal, wo zwei Bergbauern ihren Viehbestand wegen TBC-Verdachts keulen mussten, gehen die Emotionen hoch. "Wer nichts hat, dem wird genommen, wer hat, dem wird gegeben", schreiben 40 Bauern in einem offenen Brief an Landeshauptmann Markus Wallner (VP). Angespielt wird auf das Ungleichgewicht zwischen Jagd und Landwirtschaft im Montafoner Seitental. 

Rotwild als Überträger der TBC-Erreger

Als Überträger der TBC-Erreger gilt das Rotwild, mit dem das Vieh auf den Almen in Kontakt kommt. Man sei auf die "Alpung" im Hinteren Silbertal angewiesen, schreiben die Bauern. Doch gerade dieser Teil des Silbertals gelte als TBC-Hotspot.

Die Bauern fordern eine sofortige Reduktion des Rotwildbestands auf drei Stück pro 100 Hektar, die Kontrolle der Reduktion und die Untersuchung jedes erlegten Tieres auf TBC. Die Sorgen der Bauern seien berechtigt, reagiert Agrar- und Umweltlandesrat Erich Schwärzler (VP) auf den Brief. " Wir müssen tun, was wir können, um eine Situation wie im Lechtal oder im Allgäu zu verhindern." Das Lechtal ist TBC-Seuchengebiet, im deutschen Allgäu sind 150 Bauernhöfe gesperrt.

Politik spricht Machtwort

Für Schwärzler steht fest: "Der Rotwildbestand muss in den von TBC betroffenen Gebieten um 30 Prozent reduziert werden." Abgeschossen soll bereits im März werden, "damit die Bauern auf die Alpen können". Das gesamte erlegte Wild müsse man dann auf TBC untersuchen, sagt der Landesrat.

Was die Reduktion des Überbesatzes betrifft, kann Landesjäger Ernst Albrich zumindest ansatzweise mit: "Dort, wo es notwendig ist, muss man die Abschusszahlen deutlich erhöhen." Wie deutlich, will der Montafoner Arzt nicht sagen. "Das wäre Kaffeesudleserei." Er appelliere bei jeder Gelegenheit an die Jäger, die Abschusszahlen auch einzuhalten. Einfach sei die Reduktion nicht, da Rotwild sehr intelligent sei und sich " unsichtbar" mache, relativiert Albrich.

Kostenintensive Proben

Kein Verständnis hat Albrich für die Forderung nach Untersuchung aller erlegten Tiere. "Das ist reine Stimmungsmache, 100 Prozent Beprobung ist ein Blödsinn." Im Gegensatz zum Tiroler Lechtal, wo TBC wegen der hohen Prävalenz von 35 Prozent als Seuche eingestuft werde, reichten in den angrenzenden Vorarlberger Gebieten Stichproben. Da gibt ihm Landesveterinär Norbert Greber, ebenfalls ein Jäger, recht: "Wir ziehen seit vier Jahren Stichproben und haben damit einen guten Überblick über die Situation."

In den Gebieten mit erhöhtem Risiko wie dem Silbertal würden zehn Prozent des erlegten Wildes untersucht. Die Zahl hätten Epidemiologen der AGES festgelegt, sie bewähre sich. Mehr Proben wären auch zu kostenintensiv, sind sich Albrich und Greber einige. Landesrat Schwärzler widerspricht den beiden Jägern: "Wir werden die Probenzahlen erhöhen - und Punkt." (Jutta Berger, DER STANDARD, 28.2.2013)

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    Gut gefüttert nimmt das Rotwild in den Wäldern überhand. Hirsch und Co bringen TBC auf Almen und in Kuhställe. Vorarlberg will Abschusszahlen erhöhen.

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