Kurze Wege, große Schritte

27. Februar 2013, 17:16
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Mehr als 600 Leichtathleten nehmen die Hallen-EM in Göteborg in Angriff. Von fünf Österreichern ist Andreas Vojta am meisten zuzutrauen

Göteborg - In Abwesenheit von Hürdensprinterin Beate Schrott ist 1500-m-Läufer Andreas Vojta der Teamleader. Österreich stellt bei der Leichtathletik-Hallen-EM von Donnerstag bis Sonntag in Göteborg ein junges fünfköpfiges Team. Die Titelkämpfe beschreiten neue, überaus kurze Wege. Die Sportler können direkt vom Athleten-Hotel in die Scandinavium Arena gehen, erstmals findet alles unter einem Dach statt, demgemäß lautet das EM-Motto: "All Under One Roof".

Einen großen Schritt machen will jedenfalls Vojta, der 23-Jährige hat die achtbeste Zeit des Teilnehmerfeldes zu Buche stehen, rechnet sich Chancen auf eine absolute Topplatzierung aus. Der Gerasdorfer stellte kürzlich in Stockholm in 2:19,20 Minuten neuen ÖLV-Hallenrekord über 1000 Meter auf, die Saisonbestzeit über 1500 Meter steht bei 3:39,15. " Zunächst gilt es ins Finale zu kommen. Die EM ist das Highlight der Saison", sagte Vojta, der sich auf der Unterdistanz gesteigert, aber die Ausdauer nicht vernachlässigt hat. Seinen Vorlauf bestreitet er am Samstag, das Finale steigt am Sonntag. "Andi hatte sehr stabile Läufe heuer", sagt ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber. "Aber es war noch kein Rennen mit gleichmäßigem Tempo dabei."

Den Auftakt für Österreich macht am Donnerstagabend Lukas Weißhaidinger (21) in der Kugelstoß-Qualifikation auf dem "Market Square", der zwischen Hotel und Halle liegt. Er gibt sein Debüt bei einer internationalen Meisterschaft der allgemeinen Klasse. Seine Würfe in dieser Saison gingen konstant über 19 Meter, der weiteste auf 19,32. " Ich werde bei meinem ersten Versuch volles Risiko nehmen, vielleicht gelingt mir etwas", sagte der Diskus-U20-Europameister 2011.

Weißhaidinger pflegt binnen seiner ersten drei Versuche seine größte Weite zu erzielen. "Das ist für die Qualifikation wichtig", sagt Sportdirektor Gruber. "Aber für ihn gilt: Jede Platzierung, die er gegenüber der Meldeliste gutmacht, ist bereits ein Erfolg." Und die Meldeliste wirft Weißhaidinger als Nummer 22 unter 26 Athleten aus.

Logisch, dass auch Nikolaus Franzmair, der über 800 Meter startet, wenig Routine mitbringt - er ist 18 Jahre alt. Verstecken will er sich aber nicht. "Ich werde aktiv laufen und möchte im Geschehen dabei sein." Saisonziel für den Oberösterreicher ist die U20-EM im Juli in Rieti. Der zweite 800-m-Läufer, Andreas Rapatz (26), ist der Team-Oldie, die Saisonbestleistung von 1:47,87 ist ausbaufähig. "Die Vorleistungen waren nicht so stark wie in anderen Saisonen. Aber Andi hat das Potenzial fürs Finale, er kennt viele taktische Varianten", sagt Gruber. 2012 kam Rapatz bei der Hallen-WM auf den achten Platz.

Im Siebenkampf wird Österreich durch Dominik Distelberger vertreten, der 22-Jährige kam heuer bei den Staatsmeisterschaften auf 5847, beim Meeting in Tallinn auf 5817 Punkte. "Die Schnelligkeit passt, auch die bei mir kritischen Disziplinen Kugelstoßen und Hochsprung sind heuer gutgegangen. Wenn alle Bewerbe klappen, dann sollte ich meine Saisonbestleistung steigern können", sagt Distelberger.

Göteborg ist nicht London

Mehr als 600 Athleten aus 42 Nationen haben genannt. Aus internationaler Sicht ist die Hallen-EM in doppelter Hinsicht zweitrangig, erstens weil Halle, zweitens weil EM. Wie auch Beate Schrott konzentrieren sich viele europäische Spitzenleichtathleten schon auf die Freiluftsaison, die in der WM (August, Moskau) gipfelt. So sind zwar einige, aber nicht allzu viele Medaillengewinner von London 2012 in Göteborg zu sehen. Echte Olympia-Revanchen wird es wenige geben, im Stabhochsprung der Männer versammeln sich freilich die ersten drei von London. Der französische Olympiasieger Renaud Lavillenie strebt Historisches an, will als erster Mann drei Hallen-EM-Titel en suite gewinnen. Die Deutschen Björn Otto und Raphael Holzdeppe, in London Zweiter und Dritter, wollen Lavillenie daran hindern. (APA, fri, DER STANDARD, 28.2.2013)

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    Der Deutsche Björn Otto beugte sich im Olympia-Stabhochsprung nur dem Franzosen Renaud Lavillenie. Er will Revanche.

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