Kleine Operationen oft schmerzhafter als angenommen

27. Februar 2013, 17:08
3 Postings

Einer Studie zufolge sind kleine operative Eingriffe deutlich schmerzhafter als große Operationen - der Grund dürfte in der unzureichenden schmerztherapeutische Versorgung liegen

Jena - Eine Studie mit mehr als 50.000 Patientendaten aus 105 deutschen Krankenhäusern zeigt überraschende Ergebnisse: Während einige der großen Eingriffe wie Lungen-, Magen- oder Prostataoperationen erstaunlich wenig Schmerzen nach sich ziehen, sind Blinddarmoperationen oder Mandelentfernungen - also relativ kleine, aber häufige Eingriffe - ausgesprochen schmerzhaft. Das spreche für eine oft unzureichende schmerztherapeutische Versorgung nach kleineren Operationen, meinen die Autoren der Studie, Hans Gerbershagen aus Utrecht und Winfried Meißner aus Jenader. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden nun im Fachblatt "Anesthesiology“ veröffentlicht.

Basis der Auswertung ist das Akutschmerzprojekt QUIPS, das an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Uniklinikums Jena (UKJ) koordiniert wird und inzwischen 260.000 Daten von Patientenbefragungen aus mehr als 160 deutschsprachigen Kliniken enthält. Für die Analyse wurden 100.000 Fälle einbezogen. Nach Einteilung in 179 verschiedene Operationen mit mindestens 20 Patienten konnten 50.500 Fälle ausgewertet werden. 

"Die Daten spiegeln den deutschen Klinikalltag an 105 Krankenhäusern wider und zeigen, wie erfolgreich eine intensive Schmerztherapie sein kann, wenn moderne Schmerztherapieverfahren angewandt werden. Gleichzeitig demonstrieren sie aber auch, dass wir die Schmerzversorgung nach einigen Eingriffen schlicht vernachlässigt haben", lautet die Schlussfolgerung der beiden Hauptautoren. 

Zu wenig Regionalanalgesie

Bei einigen Operationen spielt möglicherweise die Besonderheit eine Rolle, dass sie mit ausgeprägten Entzündungen einhergehen, wie dies gerade bei Blinddarm- und Mandelentfernungen der Fall ist. Bei anderen Operationen werden nach Meinung der Mediziner immer noch nicht die in Leitlinien empfohlenen Methoden wie etwa zusätzliche örtliche Betäubungsverfahren durchgeführt.

Besonders orthopädische Operationen gehören dazu, die 22 Plätze unter den TOP 40 einnahmen: Hier wurde nur bei 16 Prozent ein solches Regionalanalgesieverfahren durchgeführt. "Vielleicht deswegen, da dazu Schmerzteams notwendig sind, die in manchen Krankenhäusern immer noch für überflüssig gehalten werden", vermutet Winfried Meißner.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung zeigte, dass – von Ausnahmen abgesehen – die Patienten nach Regionalanalgesieverfahren weniger Schmerzen erleiden mussten als nach der Gabe von Schmerzmitteln in Form einer Injektion oder Tablette. Auch die Durchführung von Operationen in minimalinvasiver endoskopischer Technik, sogenannte Schlüsselloch-OPs, führte in vielen Fällen zu weniger Schmerzen als eine offene Operationstechnik.

Schmerztherapie und minimalinvasive OP-Technik

"Viele große Lungen-, Darm- oder Prostataoperationen befinden sich in der unteren Hälft des Schmerzrankings. – Auffällig ist, dass sich hier lokale Schmerztherapieverfahren zusätzlich zur Narkose seit langem durchgesetzt haben", erläutern die Studienleiter. 

In der Studie kam ein standardisiertes Frageschema zu Anwendung, mit dem alle Patienten gleich am Tag nach der Operation ihre Schmerzen einschätzten. Bisherige Untersuchungen verglichen oft nur einige wenige Operationen miteinander, dabei wurden häufig von Studie zu Studie unterschiedliche Schmerzmessverfahren eingesetzt, so die Autoren. 

Deshalb sollten sich Patienten vor einer planbaren Operation genau erkundigen, ob ein Akutschmerzdienst und lokale Schmerztherapieverfahren angeboten werden, ob alle Mitarbeiter mit den modernen Methoden der Schmerzlinderung vertraut sind, und ob die Operation in minimalinvasiver Technik durchführbar ist, lautet die Empfehlung der Experten. (red, derStandard.at, 27.2.2013)

Share if you care.