In Gesundheitsfragen ersetzt das Internet keineswegs den Arzt

27. Februar 2013, 13:20
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Rund die Hälfte der Österreicher recherchiert zwar im Internet zu Gesundheitsthemen, konkrete Entscheidungen werden daraus aber nicht abgeleitet

Laut Austrian Internet-Monitor (AIM) nutzen 73 Prozent der Österreicher ab 14 Jahren regelmäßig das weltweite Netz. Aber welche Rolle spielen die digitalen Medien in Gesundheitsbelangen? Wie wirkt sich das "Google-Zeitalter" auf die Arzt-Patienten-Beziehung aus und was folgt aus den potenziellen Veränderungen? Was brauchen PatientInnen im Online-Zeitalter? Diesen Aspekten hat sich das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Integral im Auftrag des Janssen Forums gewidmet und 911 Österreicher online beziehungsweise telefonisch befragt.

"Das Internet ist zu einem pragmatischen Begleitmedium bei Gesundheitsthemen geworden. Allerdings hat es aber wenig subjektiven Einfluss auf die Entscheidungsfindung", fasst Erich Eibensteiner, Geschäftsführer von Janssen in Österreich, die Ergebnisse der Umfrage zusammen.

Etwa jeder zweite Befragte gibt an, im vergangenen Jahr zu Gesundheitsthemen recherchiert zu haben, wenn auch nicht unbedingt regelmäßig. Für diese Teilpopulation zählt das "Web" als zweitwichtigste Informationsquelle nach dem Arzt, und noch vor Familie sowie Freunden. Dabei zeigen die Befragten in der Online- und Telefonumfrage ein ähnliches Informationsverhalten: Bei den Online-Teilnehmern rangiert der Arzt mit 89 Prozent vor dem Internet (72 Prozent) und Familie/Freunden (66 Prozent). Bei den telefonisch Befragten ist der Arzt für 81 Prozent die primäre Quelle, vor dem Internet (53 Prozent) und Familie/Freunden (50 Prozent).

Häufigste Anfragen zu Medikamenten

Auf die Frage nach dem Nutzungszusammenhang zum Thema Gesundheit wird angegeben, dass das Internet am häufigsten aufgrund auftretender Symptome konsultiert (58 Prozent) wird. Auf Rang 2 liegt die Recherche, um nach einer Diagnose weitere Informationen zu erhalten (46 Prozent). Bei der Frage, was genau abgerufen wird, geben die Respondenten am öftesten an, nach konkreten Informationen zu Medikamenten sowie nach Informationen zu leichten und chronischen Erkrankungen zu suchen. Bei schweren Erkrankungen und der Suche nach Informationen zu Heilbehelfen nutzen die Befragten das Web hingegen seltener.

Georg Psota, designierter Präsident der Fachgesellschaft für Psychiatrie und Chefarzt der Psychosozialen Dienste in Wien, merkt dazu an: "Information an sich ist immer gut. Ungefilterte Information kann aber auch das Gegenteil von gut sein."

"Das Bedürfnis nach leicht zugänglicher, verständlicher und verlässlicher Information in Gesundheitsfragen wird sich noch verstärken. Gleichzeitig ist das Internet aber ein kreativ-chaotischer Misthaufen, mit einigen Perlen, die es zu finden gilt. PatientInnen brauchen also Mechanismen und Werkzeuge, damit sie in dieser Vielfalt die für sie richtigen und passenden Informationen finden können", ergänzt Gerald Bachinger, Patientenanwalt Niederösterreichs und Sprecher der Patientenanwälte.

Online-Recherche hat ihre Grenzen

Die Suche im Internet rangiert auf Patz drei der Erstreaktionen nach dem Auftreten eines gesundheitlichen Problems. Online-affine Menschen sind prinzipiell aktiver und sind auch öfter "Informationsbeschaffer" für andere Menschen. Dass die Online-Recherche aber auch klare Grenzen hat, legt folgendes Ergebnis nahe: Auf gesundheitliche Entscheidungen selbst hat das Internet wenig Einfluss, hier sind Ärzte, Krankenhauspersonal und Apotheker ganz klar voran - das Internet rangiert hier nur auf Platz sechs. Zudem fühlt sich etwa jeder Vierte nach Recherchen im Internet zumindest etwas verunsichert.

Ärzte nutzen Internet im Umgang mit Patienten wenig

Patienten halten mit ihren Rechercheergebnissen auch nicht mehr hinter dem Berg und diese finden durchaus den Weg in die Praxis. Sie konfrontieren Ärzte regelmäßig mit Informationen aus dem Netz. Jeder Zweite, der aufgrund von Internetinformationen einen Arzt aufgesucht hat, gibt an, diese Informationen in der Praxis auch zur Sprache gebracht zu haben.

Die Ärzte, so zeigte die Umfrage, reagieren auf die "Netz(be)funde" ihrer Patienten durchwegs verständnisvoll - dies gab die große Mehrheit der Befragten an. Selbst nutzen Ärzte das WWW im Patientengespräch selten. Nur 6 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ein Arzt während ihres Besuchs im Internet informiert habe.

Patienten stünden hingegen einer Informationsbeschaffung des konsultierten Arztes während des Patientengesprächs durchaus aufgeschlossen gegenüber, so die Befragung. 80 Prozent der online und 67 Prozent der telefonisch Befragten würden dies als passend empfinden.

Social Media und Smartphone Apps - bitte warten

Für Smartphone Apps heißt es zumindest laut den Befragten "bitte warten": Die Mehrheit gibt an, das Handy dafür als zu mühsam zu empfinden. Ähnliches gilt für Social Media: Nur jeder Zehnte hat sich im vergangenen Jahr in einem sozialen Netzwerk zu Gesundheitsfragen ausgetauscht. Laut Befragten ein Umstand, der sich so rasch nicht ändern wird: 84 Prozent gehen davon aus, dass mobile Geräte auf ihr eigenes Gesundheitsmanagement auch in den nächsten zwei Jahren wenig Einfluss haben werden. (red, derStandard.at, 27.2.2013)

  • "Das Internet ist zu einem pragmatischen Begleitmedium bei Gesundheitsthemen geworden. Allerdings hat es aber wenig subjektiven Einfluss auf die Entscheidungsfindung", lautet das zentrale Ergebnis der Integral-Studie.
    foto: dpa/julian stratenschulte

    "Das Internet ist zu einem pragmatischen Begleitmedium bei Gesundheitsthemen geworden. Allerdings hat es aber wenig subjektiven Einfluss auf die Entscheidungsfindung", lautet das zentrale Ergebnis der Integral-Studie.

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