Jetalliance darf in der Luft bleiben

27. Februar 2013, 12:16
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Der Richter hat die Aufhebung des Insolvenzverfahrens beschlossen, ein Sanierungsplan hat die nötige Gläubigermehrheit gefunden

Wien - Der in einen millionenschweren Behördenstreit verwickelten Bedarfsflugfirma Jetalliance (vormals Magna Air) bleibt ein Grounding erspart. Der Richter hat die Aufhebung des Insolvenzverfahrens beschlossen. Zuvor hat am Dienstag ein Sanierungsplan die nötige Gläubigermehrheit gefunden. Von den angemeldeten Insolvenzschulden von rund 31 Mio. Euro wurden laut Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Günther Viehböck 17,9 Millionen anerkannt. An der Flugfirma Jetalliance ist über Holdingkonstruktionen nach wie vor Magna- und Parteigründer Frank Stronach beteiligt.

Im Sanierungsplan sind den Gläubigern 21 Prozent Quote geboten, zahlbar in zwei Jahren. Eine erste Barquote von 5 Prozent ist erlegt, "sie liegt bei mir", sagte Viehböck am Mittwoch zur APA. Fixiert wurden Teilraten von drei mal 5 und einmal 6 Prozent. Die jetzt fälligen 5 Prozent konnten laut Viehböck aus der Liquidität des Unternehmens dargestellt werden. Ob für die volle Quote die Mittel aus der Firma reichen, hängt unter anderem davon ab, was von den bestrittenen Forderungen schlagend wird. Es sind somit Einschüsse von den Gesellschaftern absehbar, um den Sanierungsplan über die Bühne zu bringen.

Unter den bestrittenen Forderungen sind jene 6,4 Millionen Euro, die in einer Betriebsprüfung als Steuer- und Abgabenrückstände festgestellt wurden, und die Ende November zur Insolvenz geführt hatten. Jetalliance-Gruppen-CEO Lukas Lichtner-Hoyer spricht allerdings von Behördenirrtum und hat zunächst einmal gegen die Steuerfestsetzung berufen. Von der Gebietskrankenkasse sei noch kein Bescheid da, gegen den man berufen könnte.

Jetalliance muss die Rückstellung für diese Steuer- und Abgabenforderung im anhängigen Verfahren nun zwar bilanzieren. Aber nur im Ausmaß der Quote. Nach Jetalliance-Darstellung wurden Sozialabgaben und Lohnsteuer für ausländische Piloten und Flugbegleiter in Rechnung gestellt, die gar kein Dienstverhältnis mit Jetalliance hätten.

Workforce ebenfalls betroffen

Jetalliance nahm Ende November gleich ein eng kooperierendes Unternehmen mit in die Insolvenz: Die Wiener Personalleasingfirma "Workforce", wo 180 Mitarbeiter vom dortigen Konkurs betroffen waren. 89 davon (Piloten, Flugbegleiter, Techniker) standen in Diensten der Jetalliance, die zur Zeit der Insolvenzanmeldung selber nur 4 Angestellte hatte. Jetalliance war freilich Gründungsgesellschafter von "Workforce" und bis zuletzt beteiligt.

Nach dem Workforce-Konkurs habe Jetalliance rund 40 bisherige Leih-Beschäftigte angestellt, sagte Viehböck heute. Damit komme man jetzt einmal aus, weil es durch die Insolvenz einen nicht unerheblichen Geschäftseinbruch gab.

Ob es die Firma nach dem Neustart schafft, hänge davon ab, wie sie sich im Markt behaupte. Viehböck selber ist nur mehr bis zur Rechtskraft der Insolvenzaufhebung Insolvenzverwalter bei der Businessflugfirma. Das wird in etwa 14 Tagen sein.

Der CEO der Jetalliance-Gruppe, Lichtner-Hoyer, sprach heute von einer "großen Entlastung" durch die Annahme des Sanierungsplans. Weil sich aber vor allem internationale Kunden schwertäten, zwischen Insolvenz und Konkurs zu unterscheiden, sei einige Aufklärungs- und Vertrauensarbeit zu leisten. "Jetzt werden wir das Geschäft in etwas abgeschlanktem Umfang wieder neu aufbauen. Einer unserer Wachstumsmärkte ist Afrika, wo wir mittlerweile bereits fünf Maschinen im Einsatz haben."

Prominente Streitparteien

Um keine großen Summen, wohl aber um prominente Streitparteien geht es im Fall eines "Deripaska-Fliegers". Eine Deripaska-Firma namens Orion (Bermuda) erstattete vorige Woche gegen das Jetalliance-Management Strafanzeige, laut "Kurier" vom Wochenende wegen des Verdachts auf Betrug, Veruntreuung und Urkundenunterdrückung. Jetalliance managte bis vor kurzem einen Jet des russischen Oligarchen Oleg Deripaska, mit dem vor allem Ex-Magna-Vorstand Siegfried Wolf (heute Manager im Deripaska-Imperium) um die Welt fliege. Im Zuge des Managementvertrags soll Jetalliance den Russen Wartungs- und Instandhaltungskosten "dritter Unternehmen in Rechnung gestellt, aber erhaltene Beträge nicht an diese Dienstleistungsunternehmen weitergeleitet haben", hieß es im Bericht. Jetalliance wies die Vorwürfe zurück.

Laut Viehböck handelte es sich dabei um eine bestrittene (und bedingte) Forderung von rund 200.000 Euro. Im ganzen Streit sei es im wesentlichen darum gegangen, dass Orion den "Halterschaftsvertrag" während des Insolvenzverfahrens kündigen wollte, was aber der Insolvenzordnung entgegenstehe. Orion habe den Jet eigenmächtig abtransportieren lassen, was von den Österreichern wiederum mit einer Besitzstörungsklage quittiert wurde. (APA, 27.2.2013)

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