Spittal: Wie Stronach die SPÖ spaltete

Reportage27. Februar 2013, 14:20
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Seit dem Sommer muss die SPÖ auf fünf Gemeinderäte verzichten - Als lachender Dritter bleibt die FPK

Schuld ist ein Handymast. Vor einigen Monaten kämpfte die SPÖ in Spittal an der Drau aus Angst vor Verstrahlung gegen die Errichtung eines Masts im dicht verbauten Gebiet und bat die Landespartei und auch den Bundeskanzler um Unterstützung. Diese wurde ihnen aber nicht zugesichert, erzählt Hartmut Prasch, Vizebürgermeister von Spittal an der Drau. Die Enttäuschung war groß und das Vertrauen nicht mehr da. Im Nachhinein betrachtet sei das einer der Gründe gewesen, warum sich fünf Mandatare der Spittaler SPÖ im Sommer dem Team Stronach anschlossen. Einer von ihnen ist Prasch, er ist heute Listenzweiter des Teams Stronach in Kärnten.

Alte Parteien "zu festgefahren"

Prasch sitzt im Café des Schlosses Porcia. Das Schloss ist auch sein Arbeitsplatz, er ist für Dokumentation und Ausstellungskoordination zuständig. Zu Mittag ist in dem Café einiges los. Prasch wird von vielen begrüßt, schüttelt Hände, ehe er Platz nimmt. Seine Karriere ist eng mit der von Bürgermeister Gerhard Köfer verbunden. Sie sind Freunde seit Kindertagen, Köfer hat seinen heutigen Vizebürgermeister in die Kommunalpolitik geholt. Im Sommer ist Prasch seinem Chef zum Team Stronach gefolgt. Bereut hat Prasch den Schritt nicht. Zu festgefahren waren ihm die Parteistrukturen in der SPÖ, die Unterstützung der Landespartei habe gefehlt. Er sieht seine neue Partei als Chance und Herausforderung. Wenn er vom Parteichef redet, nennt er ihn mit vollem Namen - Frank Stronach -, und seine Augen leuchten.

Kritik an Stronach lässt Prasch keine zu. Dessen Fernsehauftritte findet er eine "Sensation". Er sei einer der wenigen, die nicht vor "penetranten Diskussionsleitern" in die Knie gehen, sondern antworte "mit Temperament". Stronach sei einfach nicht auf die Medien angewiesen, das sei eine günstige Ausgangsposition.

Keine schwere Entscheidung

"Ich habe das Angebot, mir Frank Stronach anzuschauen, angenommen", sagt Prasch. Obwohl die rote Landespartei zwei Tage vor der Infoveranstaltung mit dem Milliardär den Gemeinderäten ein Ultimatum gestellt habe, ist er gegangen. "Wenn das der Ausgangspunkt des Demokratieverständnisses der SPÖ ist, dass man sich nicht einmal jemanden anderen anschauen kann, dann ist es mir relativ leicht gefallen zu gehen", kritisiert er seine ehemaligen Genossen.

Der Konkurrenzkampf ist eröffnet. In Kärnten will das Team Stronach zwölf Prozent der Stimmen erreichen, die Frage ist, ob sie eher bei der SPÖ oder bei der FPK wegfallen werden. Das Plakatverbot, auf das sich SPÖ, ÖVP und Grüne geeinigt haben, sieht der Spittaler Vizebürgermeister problematisch. Das Team Stronach habe sich zu Plakaten entschieden, ohne sie würde es nicht gehen, sagt Prasch. Jeder Kärntner solle wissen, dass es das Team Stronach gibt. "Der Unterschied ist, dass unsere Plakate nicht mit Steuergeld bezahlt sind."

"Streiten und Misswirtschaft leisten"

In den Landtag würde er einziehen, wenn das Team die entsprechende Stärke erreicht. Jedoch würde er weder Gerhard Dörfler (FPK) noch SPÖ-Chef Peter Kaiser zum Landeshauptmann wählen. Sie haben seiner Meinung nach in der Vergangenheit bewiesen, dass sie "nichts anderes können als streiten und Misswirtschaft leisten".

In der Bezirkshauptstadt Spittal leben fast 16.000 Menschen. Bei der letzten Landtagswahl erzielte das BZÖ (heute FPK) hier 44 Prozent. Die SPÖ kam auf 33 Prozent und die ÖVP auf 14 Prozent, die Grünen erreichten magere 4 Prozent.

"Köfer hat gute Ansätze"

In der Stadt beim Millstätter See herrscht derzeit tiefster Winter, der Schlosspark ist von einer dicken Schneeschicht bedeckt. Die Spittaler flüchten ins "Stadtpark Center Spittal", ein Einkaufszentrum in der Mitte der Stadt. Hier ist es trocken, Pensionisten, Familien und Jugendliche bummeln durch die Gänge und erledigen ihre Einkäufe. Ein 80-jähriger Herr aus Ferndorf ist zufrieden mit der Stadt Spittal: "Es gibt gute Ärzte und viele Einkaufsmöglichkeiten." Für ihn sei es schwer zu sagen, wer bei der Wahl am Sonntag vorne liegen werde. Überzeugt ist er davon, dass das Team Stronach mitmischen wird. Der Pensionist ist mit Gerhard Köfer als Bürgermeister zufrieden: "Er hat gute Ansätze."

Auch eine 78-jährige Pensionistin aus Maria Luggau kommt zum Einkaufen nach Spittal. "Es wäre gut, wenn sich was ändert", sagt sie über die Wahl am 3. März. Sie glaubt aber nicht daran: "Es wird leider alles so bleiben, wie es ist."

"Die Blauen und die Orangen gehören weg"

In einem Handyfachgeschäft im ersten Stock des Einkaufszentrums arbeitet eine 26-jährige Spittalerin. Ja, sie werde auf jeden Fall zu Wahl gehen, sagt sie: "Es muss sich was ändern. Die Blauen und die Orangen gehören weg." Wie die Stronach-Partei abschneiden wird, kann die junge Frau nicht abschätzen. Sie gibt der Partei aber eine Chance, sich zu bewähren: "Ich habe nichts gegen Stronach."

Ganz und gar nicht von Stronach begeistert ist jedoch die SPÖ, sie fürchtet um viele Stimmen. Nach der Abspaltung der fünf Mandatare musste sich die SPÖ in Spittal komplett neu aufstellen. Stadtparteiobmann ist seit Jänner Andreas Unterrieder. Er ist 38 Jahre alt und Betriebsratsvorsitzender an der Fachhochschule Kärnten. "Selbstverständlich war ich enttäuscht, als der amtierende Bürgermeister die SPÖ verlassen hat", sagt er. "Das Team Stronach hat ja gar nichts mit Sozialdemokratie zu tun, man weiß nicht, für welche Werte sie stehen. Das ist noch relativ rudimentär."

Neue Wahlkampfzentrale

Die SPÖ hat erst vor kurzem ein neues Büro in der Edlinger Straße bezogen. Von hier aus wird der Wahlkampf organisiert, überall liegen Flyer herum. Die neue Ledercouch ist in Rot gehalten, Peter Kaiser lächelt von einem Bild an der Wand.  

Auf Plakate des Spitzenkandidaten verzichtet die SPÖ in ganz Kärnten, um einen Sparkurs zu beweisen, im Wahlkampf steht Kaiser aber klar im Mittelpunkt. Viele Anhänger sind begeistert von ihrem Mann an der Spitze, der als fachlich versiert gilt. Kritiker meinen jedoch, Gerhard Köfer wäre der bessere Spitzenkandidat für die SPÖ gewesen. Stadtparteiobmann Unterrieder lässt sich nicht beirren. Er ist zufrieden mit Kaiser: "Die SPÖ wird hoffentlich als Erste durch das Ziel gehen. Wir werden 35 Prozent erreichen, das würde ich mir wünschen."

"Seit der Geburt Sozialdemokrat"

Für Unterrieder ist es nie ein Thema gewesen, zu Stronach zu wechseln, sagt er. "Ich bin seit Geburt Sozialdemokrat. Gewisse Werte sollte jeder Politiker haben, die sollten sich auch nicht ändern, wenn sich der Rock ändert." Für ihn ist es nicht nachvollziehbar, wie das für Köfer zusammenpasst: "Wenn er sich einem Milliardär zuwendet, der für Industrie und Wirtschaft steht, besteht sehr leicht die Gefahr, dass man seine Werte verliert."

Kritik üben viele SPÖler daran, dass Köfer, seit er beim Team Stronach engagiert ist, trotz seiner Funktion als Bürgermeister wenig in Spittal anwesend ist. Unterrieder: "Er hat selbst in einem Interview gesagt, dass er keinem abgeht, wenn er nicht da ist. Das ist ein schlechtes Zeichen. Er wird von der Stadt bezahlt für die Arbeit, man merkt, dass er an seiner politischen Laufbahn arbeitet."

Nicht gekauft

Auf die Frage, ob die fünf Mandatare Geld erhalten haben, um zu Stronach zu gehen, sagt Unterrieder: "Ich will das niemandem unterstellen. Aber wenn (BZÖ-Chef Josef) Bucher 500.000 Euro angeboten wurden, dann kann auch etwas für den Teil einer Gemeinderatsfraktion geflossen sein." Vizebürgermeister Prasch weist das sofort zurück. Gekauft seien sie nicht worden. "Mit dem Gerücht ist nur Seppi Bucher hausieren gegangen, er hat da etwas missverstanden. Frank Stronach wollte das BZÖ nur unterstützen."

Eines der wichtigsten SPÖ-Themen im Wahlkampf ist der Kampf gegen Korruption, wobei man es auch nicht zu sehr in den Vordergrund rücken möchte. "Bei den Moralgeschichten ist Wien nicht anders, aber ja, Kärnten hat derzeit sehr viele Skandale", sagt Unterrieder. 

"Es geht um die Zukunft"

Die SPÖ hat sogar ein "ABC der politischen Grauslichkeiten" herausgegeben. "Es war gar nicht schwer, für jeden Buchstaben einen Skandalfall zu finden", sagt Unterrieder. Sich aber nur auf Korruption und Skandale zu konzentrieren sei zu wenig: "Diese Amigo-Geschichten sind nicht das Hauptthema. Die Leute haben die Schnauze voll von den Skandalen. Es geht um die Zukunft des Landes."

Als großen Konkurrenten sieht die SPÖ ohnehin die FPK und nicht das Team Stronach. Die Partei von Landeshauptmann Gerhard Dörfler und Parteichef Kurt Scheuch hatte bei der Landtagswahl 2009 - damals noch als BZÖ - elf Prozentpunkte mehr erreicht als die SPÖ. Und im Gegensatz zu den Sozialdemokraten sind die Freiheitlichen nicht damit beschäftigt, über abtrünnige Mandatare zu sinnieren. (Marie-Theres Egyed/Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 27.2.2013)

  • August 2012: Spittals Bürgermeister Gerhard Köfer bekommt Besuch von Milliardär Frank Stronach.
    foto: apa

    August 2012: Spittals Bürgermeister Gerhard Köfer bekommt Besuch von Milliardär Frank Stronach.

  • Vizebürgermeister Hartmut Prasch: "Ich habe das Angebot, mir Frank Stronach anzuschauen, angenommen."
    foto: derstandard.at

    Vizebürgermeister Hartmut Prasch: "Ich habe das Angebot, mir Frank Stronach anzuschauen, angenommen."


  • SPÖ-Stadtparteiobmann Andreas Unterrieder: "Das Team Stronach hat ja gar nichts mit Sozialdemokratie zu tun, man weiß nicht, für welche Werte sie stehen."
    foto: derstandard.at

    SPÖ-Stadtparteiobmann Andreas Unterrieder: "Das Team Stronach hat ja gar nichts mit Sozialdemokratie zu tun, man weiß nicht, für welche Werte sie stehen."

  • Shoppingcenter im Zentrum von Spittal. Die Leute wollen, "dass sich was ändert".
    foto: derstandard.at

    Shoppingcenter im Zentrum von Spittal. Die Leute wollen, "dass sich was ändert".

  • Die SPÖ verzichtet auf Wahlplakate, hat die Wahlkampf-Ausgaben mit 500.000 Euro begrenzt. Herausgegeben wurde ein "ABC der politischen Grauslichkeiten".
    foto: derstandard.at

    Die SPÖ verzichtet auf Wahlplakate, hat die Wahlkampf-Ausgaben mit 500.000 Euro begrenzt. Herausgegeben wurde ein "ABC der politischen Grauslichkeiten".

  • Wahlkampf im Schnee.
    foto: derstandard.at

    Wahlkampf im Schnee.

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