Auslandsitaliener verhelfen Bersani zu historischem Pyrrhussieg

27. Februar 2013, 10:59
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Mit dem Partito Democratico ist erstmals eine linke Partei in beiden Kammern stärkste Kraft

Rom - Der italienische Starkomiker Beppe Grillo und seine "Fünf-Sterne"-Bewegung haben sich zu früh gefreut. Dank der Stimmen der Auslandsitaliener ist der Partito Democratico (PD) von Pier Luigi Bersani doch noch stärkste Kraft in der italienischen Abgeordnetenkammer geworden - mit einem Vorsprung von rund 150.000 Stimmen. Damit ist zum ersten Mal in der Geschichte Italiens eine Mitte-links-Partei in beiden Häusern des Parlaments die stärkste Kraft. Vor der Zählung der Stimmen der Auslandsitaliener war Grillos Protestbewegung mit 25,5 Prozent noch stärkste Einzelpartei in der Abgeordnetenkammer gewesen.

Mit dem Erfolg in der Abgeordnetenkammer hat der PD den Anspruch, den Präsidenten auch in dieser Kammer des Parlaments zu stellen. Im Senat stand der PD-Sieg bereits am Montag fest. Zusammen mit den anderen Mitte-links-Parteien verfehlt Bersani aber trotzdem eine tragfähige Mehrheit.

Appell an Grillo-Partei

"Das Endergebnis aus der Abgeordnetenkammer unterstreicht: Auch wenn wir nicht triumphiert haben und eine Regierungsbildung schwierig wird - die Demokratische Partei und niemand anderes hat diese Wahl gewonnen", kommentierte Laura Garavini, PD-Spitzenkandidatin im Wahlkreis Europa. An Grillos "Fünf Sterne"-Bewegung appellierte sie, gemeinsam wichtige Reformen umzusetzen, die Italien moderner und gerechter machen könnten. "Wir werden dann sehen, welche von beiden politischen Kräften wirklich den Willen zu Reformen hat", sagte Garavini.

In Rom beginnt jetzt eine Phase hektischer politischer Konsultationen. Zunächst müssen die verschiedenen Wahlkommissionen die endgültigen Abstimmungsergebnisse bestätigen, um die finale Liste der künftigen Mitglieder des Abgeordnetenhauses und des Senats zu erstellen. Laut Verfassung müssen die beiden Kammern spätestens 20 Tage nach der Wahl zusammentreten. Die konstituierenden Sitzungen sollen am 15. März stattfinden. (APA, 27.2.2013)

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    Pier Luigi Bersani kann sich nicht so recht freuen über seinen Sieg.

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