Microsoft-Praktikant entwickelt 3D-Desktop

27. Februar 2013, 09:20
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Dokumente und Webseiten können wie physische Objekte behandelt werden

Bei einer TED-Konferenz am Dienstag in Kalifornien präsentierte der MIT-Student Jinha Lee einen Desktop, den er während seiner Praktikumszeit bei Microsoft entwickelt hat. Bereits im Vorjahr war sein Name laut Wired in den Medien, als er einen schwebenden 3D-Ball präsentierte, der vom User gesteuerte Bewegungen immer wieder rekonstruieren konnte. Sein letztes Projekt entstand bei Microsoft Applied Science.

Kameras

Das dreidimensionale Interface erlaubt es Usern "in den Bildschirm" zu greifen und Webseiten oder Dokumente wie physische Objekte zu bewegen und mit Gesten zu steuern. Der transparente LED-Screen und zwei Kameras können die Gesten des Users genau verfolgen. Eine der beiden Kameras verfolgt die Augenposition des Nutzers, um die Objekte am Bildschirm richtig zu positionieren und die Perspektive anzupassen.

Starre Interfaces

Zwar befindet sich das Interface erst in einem frühen Stadium, die Idee könnte sich aber durchsetzen und Oberflächen-Nutzung revolutionieren, wenn man bedenkt, dass Interfaces seit Jahrzehnten relativ starr geblieben sind. Gestengesteuerte Oberflächen gibt es zwar schon bei der Xbox Kinect oder Smart TVs, dreidimensionale Displays waren aber bisher eine Seltenheit.

Augmented Reality

Eines der wenigen Projekte, die sich mit der Thematik auseinandersetzen, sind der Leonar3Do der Universität von Iowa oder das Kickstarter-Projekt Oculus Rift. Der SpaceTop von Lee verbindet aber beide Ideen: Gestensteuerung und ein 3D-Interface. Er ist davon überzeugt, dass seine Projekte nur ein Teil einer bevorstehenden Oberflächen-Revolution sind, da Menschen es bevorzugen würden, mit physischen Objekten zu interagieren. Zudem sei es Menschen lieber, dies auf mehrere Arten zu tun. Das demonstrierte er mit einem Stift, der "in den Bildschirm" geführt werden kann. Eine seiner Ideen ist auch eine Augmented Reality Smartphone-App, die den User in Verbindung mit einer Brille beispielsweise eine Uhr "anprobieren" lässt. Für Online-Shops würde sich der Use Case also gut anbieten.

Entwicklung erst am Anfang

Ob sich diese Art der Oberflächen durchsetzen wird oder nur ein Nischenprodukt bleibt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Architekten, Wissenschaftler oder Genetiker könnten damit jedenfalls in naher Zukunft arbeiten. Ersetzt werden sollen "übliche" Interfaces dadurch nicht, so Lee. Viel eher glaubt er daran, die 3D-Gestik und den Screen für Teamarbeits- oder Design-Workflows einsetzen zu können. Massentauglich könne es aber seiner Meinung nach genauso werden, schließlich befindet sich die Entwicklung erst am Anfang. (red, derStandard.at, 27.2.2013)

SpaceTop, CHI 2013 from Jinha Lee on Vimeo.

 

  • Mit dem SpaceTop können Objekte wie physische Gegenstände verschoben werden
    screenshot: vimeo

    Mit dem SpaceTop können Objekte wie physische Gegenstände verschoben werden

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