Langsames Ende der Fischvernichtung

27. Februar 2013, 17:08
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Die EU geht gegen die Überfischung der Meere vor, will das Ausmaß an totem "Rückwurf" bis 2019 minimieren

Bis ein Filet eines frischen Kabeljaus, einer Scholle oder einer Seezunge aus der Nordsee auf den Speisetellern in den Ländern der EU landet, muss es in der Regel nicht nur einen langen Weg mit perfekter Kühlkette zurücklegen. Den wenigsten Konsumenten ist dabei bewusst, dass am Anfang der Verwertungskette zwischen 40 und 60 Prozent eines Fangs wieder ins Meer zurückgeworfen werden. EU-weit ist es nach Schätzungen der EU-Kommission etwa ein Viertel.

In der Regel sind die Tiere dann tot oder sterben - als nicht verwertbares "Material" ausgeschieden, weil die Fischer für bestimmte Sorten keine Anlandeerlaubnis haben oder weil sie zu klein sind oder unrentabel. Da für die Fischerei immer enger bemessene Fangquoten gelten, konzentrieren sich die Fischer auf das, was am meisten einbringt. Das Wegwerfen nennt man in der Fischersprache mit scheinbar harmlosen Begriffen "Rückwurf" oder "Beifang".

Nach Ansicht von Umweltschützern wie Greenpeace könnte das in Verbindung mit der Überfischung über Sein oder Nichtsein ganzer Arten in gar nicht so fer-ner Zukunft mit entscheiden. Die Agrar- und Fischereiminister der EU haben sich in den Morgenstunden am Mittwoch nach fünfzehn Stunden Verhandlungen beim Rat in Brüssel auf neue Regeln für den Fischrückwurf geeinigt.

Es soll in Zukunft grundsätzlich verboten sein, den Beifang einfach wieder ins Meer zu werfen, maximal sieben Prozent sollen im Ausnahmefall aber erlaubt bleiben. Das werde die Art, wie man in europäischen Gewässern Fischfang betreibe, komplett verändern, jubelte der irische Ratsvorsitzende Simon Coveney.

Ausnahmen und Fristen

Nur Schweden stimmte gegen die Einigung, weil sie zu lasch sei. Um einen Kompromiss zu ermöglichen, hat man sich auf lange Übergangszeiten und Ausnahmen für einzelne Sorten geeinigt. Die Regelung soll ab 2014 schrittweise eingeführt werden, beginnend mit Makrele und Hering, abgestuft auch nach bestimmten Meeren. Bis 2019 soll der Rückwurf EU-weit dann auf sieben Prozent reduziert werden.

Die Grünen kritisieren dies umgehend. Damit werde die Vorgabe des Europäischen Parlaments zu einer rascheren Verbesserung der Situation für die Fischereibestände deutlich unterschritten, erklärte die EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek. Die Parlamentarier wollen, dass 2020 bereits die Erholung der Fischbestände in nachhaltiger Fischerei erreicht sein wird.

Die Einigung auf Ministerebene ist auch noch nicht der endgültige Abschluss, weil das Europaparlament einem Gesetz erst noch zustimmen muss und aller Erfahrung nach Nachbesserungen verlangen wird. Ein nicht geringer Teil der Vermeidung von Rückwurf hat mit den Fangtechniken zu tun, nicht zuletzt mit der Qualität und der Maschenweite der Netze. Die zuständige Fischereikommissarin Maria Damanaki kündigte entsprechende Gespräche mit den Fischerverbänden an. Dabei soll es um Hilfen für Investitionen gehen. Den größten Widerstand hatten im Rat vor allem Spanien und Portugal geleistet. (Thomas Mayer, DER STANDARD;  28.2.2013)

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