EU-Rückzieher kurz vor Pestizid-Abstimmung

26. Februar 2013, 22:43
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Chemieindustrie drohte vor Kommissions-Votum gegen Beizmittel mit Klagen - Laut Global 2000 25 Prozent Ausfälle bei Winterbienen durch Neonicotinoide

Wien/Brüssel - Am Montag wollte die EU-Kommission eigentlich abstimmen: Sollen Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide verboten werden? Das sind Gifte, mit denen das Saatgut von Mais, Raps und Sonnenblumen gebeizt wird - und die direkt auf das Nervensystem von Insekten wirken. Diese Beize wird für das massive Bienensterben der vergangenen Jahre verantwortlich gemacht. Diese Neonicotinoide sollten für alle Pflanzen verboten werden, die für Bienen attraktiv sind. Doch im letzten Moment war der Entwurf wieder zurückgezogen worden. Die Chemieindustrie habe mit Klagen gedroht, berichtete Helmut Burtscher, Umweltchemiker bei Global 2000.

Taschenspielertrick

Schwere Kritik übt Burtscher an Umweltminister Nikolaus Berlakovich (VP): Auf eine Anfrage über die österreichische Position zum Kommissionsvorschlag sei von dessen Büro ausgerichtet worden, es gebe noch nicht genug Daten zu den Risiken. Und in Österreich sei nur in 0,38 Prozent der Bienenvölker Schäden durch insektizidgebeiztes Saatgut nachgewiesen worden. Burtscher: "Diese Rechnung ist ein billiger Taschenspielertrick." Denn es sei auch nur ein Bruchteil der Völker untersucht worden - und von denen war mehr als die Hälfte mit Neonicotinoiden verseucht. Tatsächlich habe es im vergangenen Jahr Ausfälle von rund 25 Prozent bei den Wintervölkern gegeben, betont Burtscher. (frei, DER STANDARD, 27.02.2013)

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    Fleißige Bienen - kommen sie auf der Pollen- und Nektarsuche an Neonicotinoide, kann das tödlich enden.

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