Weg vom Leben im Leerlauf

26. Februar 2013, 21:15
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Motorenentwickler AVL List will mit einer Brennstoffzelle US-Lastzugfahrern helfen, Treibstoff zu sparen

Die Lenker großer Überland-Trucks verbringen viel Zeit in ihren Fahrerhäusern - auch wenn das Gefährt stillsteht. In klimatisierten Kabinen kochen sie Kaffee, sehen fern und versorgen sich aus dem Kühlschrank. Vor allem auf den Highways Nordamerikas hat der tägliche Energiebedarf der Fernfahrer in ihren riesigen Sattelzügen zur Folge, dass die Trucks nächtelang im Leerlauf betrieben werden. Den Motor laufen zu lassen, um die Fahrerkabine zu kühlen, ist aber natürlich alles andere als umweltfreundlich, energieeffizient oder billig.

Eine Entwicklung des Grazer Motorenentwicklers AVL List in Zusammenarbeit mit internationalen Forschungspartnern soll die Kraftstoffverschwendung in Zukunft eindämmen helfen. Ihr mobiler Brennstoffzellen-Stromgenerator "SOFC APU" (Solid Oxide Fuel Cell Auxiliary Power Unit), der Diesel auf viel effizienterem Weg in elektrischen Strom umwandelt, ist einer der Nominierten für den Staatspreis Innovation 2013, der vom Wirtschaftsministerium vergeben und von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice abgewickelt wird.

Die Brennstoffzelle müsse mit dem Treibstoff betrieben werden, mit dem auch das Fahrzeug fährt, da es nicht möglich sei, einen weiteren Kraftstoff an Bord zu holen, erklärt Jürgen Rechberger, der die Entwicklung von Brennstoffzellen bei AVL List leitet.

In der kompakten Brennstoffzelle wird der Kraftstoff "in einem Reformer, einer Art Katalysator, der bei 800 Grad Celsius funktioniert, möglichst vollständig in ein wasserstoffhaltiges Synthesegas umgewandelt", erläutert Rechberger das Funktionsprinzip. "Das Synthesegas geht dann in die eigentliche Brennstoffzelle, wo in einer elektrochemischen Reaktion aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid Strom generiert wird."

Die Vorteile: Die Brennstoffzelle verbraucht nur die Hälfte des Treibstoffs eines vergleichbaren Dieselmotors, um genauso viel Strom zu generieren. Damit werden nicht nur die CO2-Emissionen auf die Hälfte reduziert, sondern es fallen auch andere Schadstoffe, die ein entsprechender Motor ausstoßen würde - Kohlenmonoxid, Stickoxide und Partikeln -, weg.

Ein weiteres Anwendungsgebiet der Brennstoffzellen sehen die Hersteller in Campingfahrzeugen und auf kleineren Yachten, um dort leise und vor allem ohne die unangenehmen Vibrationen eines herkömmlichen Dieselgenerators elektrische Energie zu gewinnen. Auch die Stromversorgung in ökologisch sensiblen Gebieten, etwa auf Almen, wäre mit den Brennstoffzellen denkbar, erklärt Rechberger. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 27.02.2013)


DER STANDARD stellt im Rahmen dieser Serie Unternehmen vor, die für den Staatspreis Innovation 2013 nominiert sind.

  • Die neu entwickelte Diesel-Brennstoffzelle soll Treibstoff sparen helfen.
    foto: avl list

    Die neu entwickelte Diesel-Brennstoffzelle soll Treibstoff sparen helfen.

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