"Wir müssen uns Gehör verschaffen"

26. Februar 2013, 20:37
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Jugend aus aller Welt diskutiert globale Probleme zu Start von UNAOC-Treffen in Wien

Wien – Gonis Wangen sind rot, und das Tuch, das sie sich als Turban um die Haare gewickelt hat, ist zur Seite gerutscht. Sie wirkt nervös. Es ist das erste Mal, dass die 25-jährige Israelin bei einem "Youth Event" des Global Forums der Allianz der Zivilisationen der Vereinten Nationen (UNAOC) teilnimmt, das am Dienstag den Auftakt des hochrangigen Treffens in Wien bildet. Goni Zilberman lebt in Jerusalem und ist sich ihres Glückes bewusst, dass sie hier im Museumsquartier sitzen und mit Afifa Ltifi aus Tunesien und Aseel Yousef Zahran aus Jordanien über die Lösung religiöser Konflikte diskutieren kann.

"Ich möchte zuhören, neue Leute kennenlernen und mein Herz für deren Probleme öffnen", sagt die  Aktivistin, die sich in einer israelischen Organisation engagiert, die sich für eine gewaltfreie Lösung und friedvolle Kommunikation im Nahost-Konflikt einsetzt. "Vor allem möchte ich mit Leuten reden, die ich sonst nicht treffen kann, etwa aus dem Libanon oder Kuwait."

Reden kann Goni bereits wie eine Politikerin und hat damit mit den anderen rund 150 jungen Menschen aus über 60  Ländern vieles gemeinsam. Aus über 4000 Bewerbern  wurden junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren ausgewählt, die sich durch persönliches Engagement in ihrer Heimat einen Namen gemacht haben. Einige tragen Anzug und verteilen Visitenkarten, auf den  Tischen liegen Buntstifte und Plakate, die an Gruppenarbeiten in der Schule erinnern.

Zum dreitägigen Global Forum der UNAOC zum Thema "Verantwortung, Diversität und Dialog" werden hochrangige Repräsentanten der 135 Mitglieder der Allianz erwartet. Die politisch engagierten Jugendlichen diskutierten deshalb am Dienstag in Workshops über die Themen Religion, Medien, Diskriminierung und Integration und bereiteten Lösungsvorschläge vor, die im Rahmen der feierlichen Eröffnung am heutigen Mittwoch Außenministern aus aller Welt präsentiert werden.

"Wir müssen uns Gehör verschaffen", meint Afifa aus Tunesien. An den runden Diskussionstischen ist viel von Träumen die Rede. Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela wird gern zitiert, und Peace-Zeichen werden auf Plakate gemalt. Doch auch die Vereinten Nationen werden kritisiert. "Oft sieht die Uno nur zu und unternimmt nichts", sagt ein junger Amerikaner.

Smartphones und Tablet-Computer hat fast jeder vor sich liegen, die Teilnehmer werden dazu aufgerufen, die Botschaft des Treffens nach außen zu tragen. Hier ist es kein Zeichen der Unhöflichkeit, sich auf sein Handy zu konzentrieren, während andere reden. Manche scheinen mehr zu twittern als zu diskutieren.

Auftritt von Ban Ki-moon

Dann werden die Diskussionen unterbrochen, Goni drängt sich nach vorn: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, ebenfalls für  UNAOC in Wien, erscheint bei dem Treffen. Er betont die Priorität des jugendlichen Engagements in der Uno: "Wir wollen von euch lernen und inspiriert werden."

Goni rückt ihr Tuch zurecht, ihr kommt noch eine wichtige Rolle zu: Sie darf Ban Ki-moon fragen, wie gewaltfreie Konfliktlösung in Israel und auf der ganzen Welt umgesetzt werden kann. Ban weicht in seiner Antwort aus. Er bekräftigt, wie wichtig das Anliegen der Uno sei und dass sich die Organisation sehr um einen friedvollen Dialog bemühe. Goni hat sich eine solche Antwort erwartet: "Das zeigt den großen Unterschied zwischen den Aktionen der Uno und der Realität, die ich jeden Tag zu Hause erlebe." (Marie Gamillscheg/DER STANDARD, 27.2.2013)

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