Auch Schimpansen knobeln nur aus Spaß

26. Februar 2013, 19:53
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Nicht nur der Mensch hat Lust am Spielen - Wie britische Forscherinnen herausfanden, brauchen Schimpansen gar keine Extra-Belohnung, um knifflige Denkaufgaben lösen zu wollen

Eigentlich wollten Fay Clark und Lauren Smith bloß sechs Schimpansen im Whipsnade Zoo nördlich von London mehr Abwechslung bieten und testen, wie sich dies auf ihr Wohlbefinden auswirkt. Die beiden Forscherinnen besorgten undurchsichtige Plexiglasröhren im Baumarkt und basteln daraus ein Labyrinth-Puzzle.

Wenn die Schimpansen kleine Stöckchen in Löcher der Röhren steckten oder sie herausnahmen, konnten sie einen roten Würfel durch das Labyrinth bis zum Ausgang leiten. Für dieses Puzzle erhielten die Menschenaffen kein Training. Sie mussten einfach durch Versuch und Irrtum herausfinden, was funktioniert und was nicht.

Den sechs Tieren wurde die Aufgabe in zwei alternativen Versionen vorgesetzt: Bei einer erhielten die Schimpansen eine Belohnung in Form von Nüssen, wenn der Würfel am Ausgang angekommen war. Bei der anderen gab es kein Futter oder andere Belohnung außer der Tatsache, dass der Würfel an seinem Bestimmungsort ankam.

Wie die britischen Wissenschafterinnen im "American Journal of Primatology" berichten, waren die Schimpansen begierig darauf, das Puzzle zu vollenden - und zwar ganz egal, ob sie danach eine Belohnung erhielten oder nicht. Das Labyrinth, bei dem es keine Nüsse gab und bei dem der Erfolg nur an der Ansammlung der roten Würfel sichtbar wurde, sei von den Schimpansen sogar häufiger gespielt worden, so Clark und Smith.

Aus Lust an der Denkaufgabe

Das deute darauf hin, dass die Affen ein ähnliches Gefühl der Befriedigung empfanden, wenn sie das Puzzle gelöst hatten, wie auch wir Menschen nach der Vollendung einer Denkaufgabe. Schimpansen scheinen solche Aufgaben - ganz ähnlich wie wir Vertreter der Art "Homo ludens" (" Der spielende Mensch") - einfach aus Lust am Knobeln lösen zu wollen. Sie entwickeln offenbar ebenfalls den Ehrgeiz, die ihnen gestellte Aufgabe zu knacken, und sie beweisen dabei durchaus erhebliches Durchhaltevermögen.

Das überraschende Ergebnis birgt für künftige Studien zur Intelligenz von Menschenaffen, aber auch für Zoos und Wildparks mit Affengehegen mithin eine einfache Botschaft: Einfach den Schimpansen häufiger anspruchsvolle Knobelaufgaben vorsetzen. Eine Belohnung in Form von Leckerbissen wie Nüssen kann man sich getrost ersparen. (tasch, DER STANDARD, 27.02.2013)

  • Schimpanse Phil vor dem Labyrinth. Er und seine Artgenossen hatten auch ohne Aussicht auf Belohnung Spaß am Puzzle.
    foto: zoological society london

    Schimpanse Phil vor dem Labyrinth. Er und seine Artgenossen hatten auch ohne Aussicht auf Belohnung Spaß am Puzzle.

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