Je ne regrette rien

Einserkastl26. Februar 2013, 19:18
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Einsicht ist bei den derzeitigen Skandalen in Österreich ein rares Gut

Der Skandale gibt es in Österreich derzeit genug, und wer die Protagonisten derselben beobachtet, kann durchaus was lernen fürs Leben. Zum Beispiel, dass Einsicht ein rares Gut ist.

Nehmen wir den Schauplatz Salzburg: Das Land hat mit Steuermilliarden gedealt und taumelt, begleitet von den Tränen der Landeshauptfrau, in Neuwahlen. Die Politiker weisen einander die Schuld zu; es gibt strafrechtliche Ermittlungen, einen U-Ausschuss. Kurzum und völlig unabhängig von etwaiger strafrechtlicher Relevanz: ein Desaster.

Nichts, was man noch einmal herbeiführen wollte, nichts, was man als handelnde Person dem Steuerzahler noch einmal zumuten würde. Sollte man meinen. Doch was sagt die ehemals für die Geldgeschäfte zuständige Referatsleiterin vor dem U-Ausschuss? "Ich würde es jederzeit wieder so tun." Der Steuerzahler dankt - und hat Anlass zur Sorge.

Vorgehüpft hat das der (nicht rechtskräftig verurteilte) Kärntner Ex-Landesvizechef Josef Martinz im Prozess zum Birnbacher-Honorar. Seine ersten Worte zum Richter: "Ich würde wieder so handeln."

Verteidigungsstrategie, klar - aber welch dumme. Man stelle sich nur einen anderen Kontext vor: Ein Autofahrer fährt, womöglich völlig schuldlos, einen Fußgänger an - und weiß nichts Besseres zu sagen als: "Ich würde es jederzeit wieder so tun."

Aber das ist natürlich eine ganz andere Geschichte. Wir? Wir bereuen nichts. (Renate Graber, DER STANDARD, 27.2.2013)

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