EU-Bankenaufsicht nimmt sich Bilanztricks vor

26. Februar 2013, 18:50
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Banken sind bei der Bilanzierung kreativ. Um die Eigenkapitalquote zu heben, werden gerne mal die Risikomodelle zum eigenen Vorteil angepasst

Wien - Nimmt man die reinen Bilanzzahlen, hat sich die Lage der europäischen Banken seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise dramatisch verbessert. Die ausgewiesenen Daten sind aber mit Vorsicht zu genießen. Darauf machte die EU-Bankenaufsicht EBA am Dienstag aufmerksam. Die Banken sind nämlich äußerst kreativ, wenn es um die Bewertung ihrer Risiken geht. Eine aktuelle EBA-Studie unter 89 Banken in 16 europäischen Ländern kam zu dem Ergebnis, dass die Banken vergleichbare Risiken oft völlig unterschiedlich einschätzen.

Relevant ist das deshalb, weil von den Bilanzrisiken (risikogewichtete Aktiva, RWA) unter anderem der Eigenkapitalbedarf abhängt. Sprich: Je geringer die Risiken, desto weniger Kapital ist nötig. Die Deutsche Bank hat beispielsweise im vierten Quartal 2012 ihre RWA um 55 Milliarden Euro reduziert. Die Hälfte des Rückgangs gehe auf Änderungen an den internen Risikomodellen zurück, erklärte die Bank. Die Credit Suisse schätzt sogar, dass drei Viertel der Reduktion auf kreative Rechenmodelle zurückgehen.

Illegal ist das nicht. Die Banken können entweder Standardmodell (der Aufsicht) verwenden, oder eigene, die aber von den nationalen Finanzaufsehern genehmigt werden müssen.

Neue Untersuchungen

EBA-Chef Andrea Enria will nun mit diesen über Änderungen reden. Möglicherweise seien "aufsichtliche Lösungen" nötig, auch weitere Untersuchungen kündigte Enria an. Die genaue Offenlegung der Bewertungsmethoden reiche nicht, um Zweifel von Investoren zu beseitigen. Zuletzt hatte auch der Basler Ausschuss, dem die weltweit wichtigsten Bankenaufseher angehören, auf Probleme mit dem aktuellen System hingewiesen.

Allein ist die Deutsche Bank mit ihren Methoden natürlich nicht. Im Vorjahr gab die EBA bekannt, dass 27 Großbanken in Europa binnen eines Jahres eine Kapitallücke von 115 Milliarden Euro geschlossen haben. Neun Prozent davon gingen auf neue oder geänderte Risikomodelle zurück. Laut Angaben der großen Ratingagenturen sind die risikogewichteten Aktiva seit 2007 von 65 auf 35 Prozent der Bilanzsumme gesunken. Allein mit dem Ausstieg aus oder dem Verkauf riskanter Geschäfte lasse sich das nicht erklären. (go, DER STANDARD, 27.2.2013)

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    Die Deutsche-Bank-Chefs Jürgen Fitschen (li.) und Anshu Jain konnten mit kreativen Methoden die Kapitalausstattung erhöhen.

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