Licht brennen lassen

28. Februar 2013, 17:00
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Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht

Pro: Und alles wird gut
Von Günther Strobl

Es werde Licht, waren seine Worte. Ich liebe Licht, sind meine Worte. Nichts nervender als dieses ständige Auf-Zu, Hell-Dunkel, Klitsch-Klatsch - da kommt ja kein Auge mehr mit. Und schlecht für die Umwelt ist es zudem. Ein Witz? Kein Witz!

Denken Sie an den Ressourcenverbrauch. Unsere guten alten Glühbirnen haben wir längst aussortiert und gegen Energiesparlampen getauscht. Statt 100 Watt brauchen die nur mehr 20 Watt, um ein Fünftel weniger als diese heißgelaufenen Dinger von früher.

Und wo kommen die Lampen her? Aus China natürlich. Und was ist da drin? Quecksilber natürlich. Und wie oft lassen die sich ein- und wieder ausschalten, bevor sie ganz hinüber sind? Auf der Packung steht so eine Zahl drauf: 6000. Das heißt, zwanzigmal am Tag ein- und ausgeschaltet - und schon nach einem Jahr muss eine ganz neue her, aus China, mit Quecksilber, mit zusätzlichem CO2 bei Produktion und Transport. Da lasse ich doch lieber das Licht brennen und schalt erst aus, wenn der Tag vorbei ist. 

Kontra: When the music's over
Von Roman David-Freihsl

Es ist alles schon gesagt. Und gesungen, von Morrison Jim: "When the music's over, turn off the light ..." Ohne Geld ka Musi, ka Licht. Oder so ähnlich. Und in Kindheitstagen hieß es: "Der Kaiser hat g'sagt: Licht sparen!" - und die Mütze runter über die Augen.

Also: Wer aus dem Zimmer geht, dreht bitte schön das Licht ab - ist doch nicht so schwer, oder? Schlimm wird's nur, wenn es ins Zwanghafte abgleitet. Wenn man beginnt, regelmäßig Runden zu drehen, um das Licht respektive das Nicht-Licht zu kontrollieren.

Nur die neuen LED-Lampen, die nehmen einem ein bisserl den Spaß an der Freude: Weil die eh so wenig Strom verbrauchen. Wozu dann noch Strom sparen? Aber Obacht: Wenn man - weil's eh so viel spart - das Licht erst recht brennen lässt, wird wieder mehr verbraucht. "Rebound" heißt dieser Effekt.

Und dann gibt es noch diese ganz besonderen Momente: Wenn man das Licht abdreht, ohne das Zimmer zu verlassen. Aber dann gibt's nix Zwänglerisches mehr im Dunkeln. Nur noch genüsslich munkeln. (Rondo, DER STANDARD, 1.3.2013)

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    Ohne Geld ka Musi, ka Licht. Oder so ähnlich.

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