Papstwahl: Proteste gegen US-Kardinal

26. Februar 2013, 17:49
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Roger Mahony deckte in seiner Zeit als Erzbischof von Los Angeles pädophile Priester

Kaum war Roger M. Mahony in Rom gelandet, ließ er seinen Kritikern per Twitter ein paar launige Zeilen zukommen. "Irgendwer interessiert daran, deine Feinde zu lieben? Oder denen Gutes zu tun, die dich verfolgen? Wow, Jesus verlangt aber viel", schrieb der kalifornische Kardinal, der mitbestimmen soll, wer die Nachfolge von Papst Benedikt XVI. antritt.

Von 1985 bis 2011 war Mahony Erzbischof von Los Angeles. Weil er hunderte Fälle von Kindesmisshandlung unter den Teppich kehrte, ist sein Ruf in der "Stadt der Engel" gründlich ruiniert. Schubweise werden neue, schockierende Details des Skandals publik, und es gibt Zeitgenossen, die Mahony am liebsten im Gefängnis sähen. Als Kardinal darf er dennoch teilnehmen am Konklave zur Entscheidung über die künftige Kirchenführung – was in Amerika eine Welle von Protesten ins Rollen bringt.

Eine Initiative katholischer Laien, Catholics United, will erreichen, dass der 77-Jährige schnellstens aus Rom zurückkehrt. Es handle sich um eine "einfache Bitte", heißt es in einer Petition, die mittlerweile über zehntausend Unterschriften trägt.

Der Name Mahony steht wie eine Chiffre für den Missbrauchsskandal, der die katholische Kirche in den USA schwer belastet. Erst am Sonntag musste der Geistliche unter Eid zu einem konkreten Fall aussagen, zur Causa Nicolas Aguilar Rivera. Der mexikanische Seelsorger soll sich 1987, während eines Aufenthalts in Los Angeles, an 26 Kindern vergangen haben. Er floh über die Grenze nach Tijuana, rechtzeitig gewarnt von einem Assistenten Mahonys.

Vertrauliche Kirchendokumente machen deutlich, wie viel Sorgfalt der Bischof darauf verwendete, pädophile Priester zu decken. Bisweilen ließ er sie in benachbarten Bundesstaaten abtauchen, weil etwa behandelnde Therapeuten in Kalifornien verpflichtet sind, Kinderschänder der Polizei zu melden.

José Gomez, Mahonys Nachfolger im Bischofsamt, verweist nun aufs Protokoll: Seit Mahony zum Kardinal befördert wurde, genieße er sämtliche Rechte und Privilegien des Amtes. Ergo könne und müsse er auch über den nächsten Papst mitentscheiden.  (Frank Herrmann aus Washington /DER STANDARD, 27.2.2013)

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