Echter Hase statt falsches Pferd

26. Februar 2013, 18:58
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Es muss nicht immer Pferd sein: Junge Städter in den USA setzten bei ihrem Fleischkonsum verstärkt auf selbst Geschossenes, die Zahl der Jäger steigt. In Österreich ist dieser Trend bisher nur theoretisch angekommen

Washington/Wien - Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mag ein Auslöser gewesen sein, als er beschloss, ein Jahr lang nur Fleisch von Tieren zu essen, die er selbst getötet hat. Jedenfalls ist in den USA nach Jahren des Niedergangs die Zahl der Jäger seit 2006 wieder um fast zehn Prozent gestiegen. Mit an diesem Trend beteiligt sind laut dem Magazin Slate nicht etwa schießwütige Hinterwäldler, sondern junge Menschen aus der Stadt.

Was diese in die Wälder treibt: Sie wollen weder Vegetarier sein, noch Fleisch von Tieren aus zweifelhafter Haltung und Herkunft essen. Die Lösung ist daher, es selbst zu schießen - es gibt wohl kaum ein Tier, das ein artgerechteres Leben gelebt hat, als ein Wild.

Auch einschlägige Literatur ist zu dem Thema in letzter Zeit erschienen: In Call of the Mild etwa schildert die New Yorker Filmproduzentin Lily Raff McCaulou, wie sie zur Jägerin wurde, in The Mindful Carnivore erklärt ein früherer Veganer, wie er lernte, Rehe zu schießen.

Zu viel Wild in Vorstädten

Den USA kommen die neuen, jungen Jäger jedenfalls sehr gelegen: Wild ist dort aufgrund der wachsenden Vorstädte in einigen Gegenden zu einer Plage geworden: Die Tiere fühlen sich in den Gartenstädten wohl und finden ausreichend zu essen. Zudem gilt in diesen Gebieten in den USA oft ein Jagdverbot, auch die Zahl der Schutzgebiete nimmt zu.

Noch nie hätten so viele Menschen so eng mit wilden Tieren zusammengelebt wie jetzt, schreibt der ehemalige New York Times -Journalist Jim Sterba in seinem Buch Nature Wars. Sie verursachen Verkehrsunfälle, überdüngen mit ihrem Kot Gewässer oder zerfressen Gärten. Trotzdem hätten die Menschen eine Hemmung, sie zu jagen - weil sie ihren Bezug zur Natur verloren hätten und wilde Tiere vornehmlich nur noch aus dem Fernsehen oder von Disney-Filmen kennen würden.

Trend nur theoretisch in Österreich angekommen

"Erstmals seit 11.000 Jahren sind etwa große Teile von Hirschen und Rehen vor ihrem wichtigsten natürlichen Jäger geschützt - dem Menschen", sagte Sterba der Chicago Tribune. Die Leute müssten wieder erkennen, dass das Schießen von Tieren zum bewirtschaften einer Landschaft dazu gehört. Die Nachwuchsjäger könnten ein erster Schritt in diese Richtung sein.

In Österreich ist dieser Trend bisher nur theoretisch angekommen: "Wir merken eine starke Zunahme bei den Besuchern unserer Kurse", sagt Peter Lebersorger, Generalsekretär der österreichischen Landesjagdverbände. " Die Sehnsucht der Leute nach der Natur ist sicher da. Die Menschen wollen in Hütten ohne fließendes Wasser schlafen und vielleicht Geweihe aufhängen. Mehr schießen tun sie aber bisher nicht."

Die Zahlen, der aktiven Jäger sind seit Jahren recht stabil, "vielleicht mit einem leichten Trend nach oben", sagt Lebersorger. Dabei wäre in Österreichs Wäldern durchaus genug Wild für einige Jäger mehr vorhanden. Wildschweine etwa sind in ganz Europa auf dem Vormarsch, seit immer größere Flächen mit Mais bepflanzt werden, die Jäger kommen kaum mit dem Schießen nach. Rotwild nimmt leicht zu, Rehe sind auf hohem Niveau stabil.

Lebersorger kauft eher selten Fleisch im Supermarkt. Seit er jagt, ist er Besitzer einer 300-LiterTiefkühltruhe, in der ein großer Teil der Beute landet. "Essen kann man eigentlich fast jedes Wild", sagt er, "die Frage ist nur, ob es schmeckt." Murmeltier-Gulasch zum Beispiel war nicht so sein Fall. (Tobias Müller, DER STANDARD, 27.2.2013)

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    Um fast zehn Prozent ist die Zahl der US-Jäger in den vergangenen Jahren gestiegen. Mit ein Grund: Die neuen Jäger wollen zwar Fleisch essen, aber gleichzeitig sicher sein, wo es herkommt.

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