Gegen die innovationsfeindliche "Untertanenkultur"

Blog27. Februar 2013, 05:30
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Mit Open Innovation arbeitet Österreich daran, einen besseren Nährboden für Innovation zu schaffen

Wer an Innovation und Entrepreneurship denkt, der denkt oft nicht zu aller erst an Österreich. Dem Literaten Karl Kraus fiel zu der Geschwindigkeit der Veränderung gar ein: "Wenn die Welt untergeht, dann gehe ich nach Wien. Dort passiert alles zehn Jahre später." Das mag zwar heute nicht mehr ganz zutreffen, aber man kann dennoch guten Gewissens sagen: Für Rasanz in der Innovation ist Österreich nicht bekannt.

Das soll sich ändern, wenn es nach Gertraud Leimüller geht. Die Geschäftsführerin der Agentur Winnovation arbeitet gerade in Kooperation mit dem Wirtschaftsbund daran, ihre Vision von einem innovationsfreundlichen Österreich Wirklichkeit werden zu lassen. Im Innovationsprozess Create32 zeichnen nationale und internationale Experten eine Vision für Österreich in 20 Jahren. Unternehmer, Start-up-Gründer und Akademiker aus verschiedenen Ländern versuchen in Workshops zu erarbeiten, wie man die Rahmenbedingungen in Österreich anpassen muss, um Kreativität und Innovbation zu fördern.

Die Vorschläge im Detail werden gerade ausformuliert, soviel sei schon verraten: Es geht um Schulen mit innovativen Lehrplänen, um Start-up-Förderungen und Anreizsysteme für den Standort Österreich, um die Reform verkrusteter politischer Strukturen. Mit Know-how in Unternehmen sieht es an und für sich gut aus, der Nährboden für Innovation ist also da. Nur Österreichs Politik muss lernen, mitzuziehen.

Asien als Innovations-Mekka

Vor allem geht es bei Create32 darum, das Prinzip der Open Innovation stärker zu verankern. Darunter versteht man die systematische Öffnung von Innovation für möglichst viele Menschen über Landes- und Unternehmensgrenzen hinweg.

Ist Österreich denn bisher innovationsfeindlich? „Vor allem im Wirtschaftsbereich ist vielen klar, dass Innovation das Unterscheidungsmerkmal erfolgreicher Länder ist", konstatiert Leimüller. Aber traditionell sei Österreich eben eine „risk adverse culture", eine Untertanenkultur, die in hierarchischen Systemen lebt. Das müsse sich schnell ändern, denn die Messlatte von Innovation setzen vor allem die asiatischen Länder immer höher an. Was hält einen jungen Entrepreneur davon ab sein Start-up etwa in Singapur zu gründen, wo er billigere Arbeitskräfte, bessere Rahmenbedingungen und ein veränderungswilligeres Umfeld vorfindet? Österreich, sind sich Experten einig, muss mehr Anreizsysteme schaffen, um in diesem globalen Wettbewerb bestehen zu können.

"Zukunft passiert nicht von selbst, wir müssen sie gestalten", sagt Leimüller. Aus den Visionen erarbeiten die Expertengruppen jetzt konkrete Vorschläge und Konzepte, die dann gesammelt und aufbereitet an die Politik herangetragen werden sollen.

Der Trend zur Open Innovation liegt überhaupt in der Luft, scheint es. Im Jänner startete der Radiosender Ö1 einen Jahresschwerpunkt zum Thema mit dem erklärten Ziel, öffentliches Wissen und Bürgerbeteiligung mit Qualitätsjournalismus zu verknüpfen. So waren bisher Stücke zu Big Data, Crowdsourcing, Politik im Netz und dem Innovations-Ökonomen Joseph Schumpeter zu hören und zu lesen. Es tut sich also etwas in Österreich, und das ist gut so.  (Anita Zielina, derStandard.at, 26.2.2013)

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  • Verkrustete politische Strukturen, hierarchische Systeme: Damit Innovation gelingen kann muss man da raus.

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