Wiener Hausbesorger werden wieder mehr

26. Februar 2013, 14:57
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Stadt stellte seit der Volksbefragung im Jahr 2010 insgesamt 169 "neue" Hausbetreuer in den Gemeindebauten ein, 144 "alte" Hausmeister gingen in Pension

Die Wiener Hausmeister werden wieder mehr – auch wenn sie nicht mehr so genannt werden. Dreieinhalbtausend von ihnen standen im Jahr 2001 in Lohn und Brot, als die schwarz-blaue Bundesregierung das Hausbesorgergesetz ersatzlos abschaffte. Ab diesem Zeitpunkt waren keine Neueinstellungen mehr möglich, die Zahl der Hausmeister schrumpfte durch Pensionierungen um die Hälfte.

2010 reagierte die Stadt Wien und ließ die Wienerinnen und Wiener im Rahmen der damaligen Volksbefragung die Frage beantworten, ob es wieder die Möglichkeit geben sollte, neue Hausbesorger anzustellen. Die Frage war politisch sehr umstritten, die Debatte wurde emotional geführt. Dienstwohnungen werde es im Falle einer Zustimmung jedenfalls keine mehr geben, versicherte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig damals.

84 Prozent sagten schließlich "Ja"; allerdings fehlte für ein neues Bundesgesetz die Zustimmung des Koalitionspartners ÖVP - und sie fehlt immer noch. Die Wiener SPÖ konnte ihre Pläne damit nur in ihrem Einflussbereich umsetzen.

"Erfolgsmodell"

Nämlich in den Gemeindebauten, von denen Wien bekanntlich eine ganze Menge besitzt. In rund 2.300 Anlagen gibt es 220.000 Wohnungen, die Stadt Wien wird deshalb oft als der größte Vermieter der Welt bezeichnet.

"169 Wiener Hausbetreuer sind mittlerweile in den Gemeindebauten beschäftigt", gab nun Wohnbaustadtrat Michael Ludwig am Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bürgermeister Michael Häupl stolz bekannt. Die Zahl von 144 Hausbesorgern, die in den vergangenen beiden Jahren ihre Pension antraten, habe damit "deutlich kompensiert werden" können, so Ludwig, der von einem "Erfolgsmodell" spricht, "das auf breite Akzeptanz stößt".

Ob in einer Gemeindewohnanlage ein "neuer" Hausbetreuer angestellt werden soll, entscheiden die Mieter. In 419 Anlagen habe es bisher entsprechende Befragungen gegeben, berichtete Ludwig; knapp 60 Prozent davon seien zugunsten der Betreuer ausgegangen.

Teurer für die Mieter

Die 169 neuen Hausbetreuer sind in 171 Wohnanlagen tätig. Sie betreuen dort 1.300 Stiegen bzw. 23.000 Wohnungen. Der Einsatz eines Betreuers ist für die Mieter teurer als die bisherige Lösung mit externen Firmen. So haben etwa Bewohner einer 60-Quadratmeter-Wohnung rund einen Euro pro Monat mehr zu bezahlen, berichtete Ludwig. Da der "Hausmeister Neu" sich auch um kleinere Reparaturen kümmern kann, würde sich seine Anstellung aber positiv auf die Betriebskosten auswirken, versicherte der Ressortchef.

Von den "alten" Hausmeister gibt es mittlerweile nur noch etwas mehr als 1.700, ihre Zahl sinkt wegen Pensionierungen kontinuierlich. Allerdings dürfte es noch eine ganze Weile dauern, bis es tatsächlich keine nach dem alten Gesetz angestellten Hausmeisterinnen und Hausmeister mehr gibt. Die Jüngste von ihnen ist Jahrgang 1979 - und damit noch lange nicht im Pensionsalter. (map/APA, derStandard.at, 26.2.2013)

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    Schnee räumen dürfen bzw. müssen die "neuen" Hausbetreuer nicht mehr - das ließ sich mit ihren Arbeitszeiten bzw. vielmehr mit den gesetzlichen Ruhezeiten nicht vereinbaren. Ansonsten unterscheidet sich ihr Aufgabenbereich kaum von jenem eines "alten" Hausmeisters.

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