Pferdefleisch: Kärntner Wurstfleisch enthielt zu 100 Prozent Pferde-DNA

26. Februar 2013, 16:51
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Lavanttaler Fleischer legte bereits am Samstag Geständnis ab - Mehr als 100 Proben aus steirischer Firma negativ

Wien/Klagenfurt/Graz - Der Pferdefleisch-Skandal in Österreich ist um einen Fall reicher. In Kärnten wurde in einer Probe der Rohware "Wurstfleisch" am Montag zu 100 Prozent Pferde-DNA nachgewiesen, teilte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) mit. Dabei handelte es sich jedoch um kein Lebensmittel, da die Rohware noch nicht verarbeitet worden war.

Das "Wurstfleisch" stammte von jenem Fleischereiunternehmer, der Würste mit nicht deklariertem Pferdefleisch produziert und verkauft hat. Die Probe wurde gezogen, nachdem in den Produkten "Kärntner Hauswürstel" und "Lavanttaler Bauernsalami" dieser Fleischerei Pferdefleisch entdeckt worden war.

Der Lavanttaler Fleischer hat bereits am Samstag bei der Polizei ein Geständnis abgelegt. Er gab zu, seit eineinhalb Jahren Pferdefleisch aus der Steiermark und aus Deutschland verwendet zu haben. Dies tat er laut seinem Anwalt, um die Qualität und den Geschmack der Würste zu verbessern. Zum Vorwurf des Betrugs war der Fleischer nicht geständig.

Negative Proben bei obersteirischer Firma

Die Kontrollen von Fleischprodukten in Österreich wurden weiter fortgesetzt. Bundesweit wurden bis Dienstag 420 amtliche Proben gezogen, für 170 lagen bereits Analysen vor. Unterdessen waren alle mehr als 100 Proben der obersteirischen Firma Landena im Hinblick auf Pferdefleisch-DNA negativ. Weil sich darunter aber auch sechs Tests von Rohstoffen jener Pasta-Sauce Bolognese befinden, die in Deutschland vom Markt genommen wurde, ist nun auch der Verdacht eines Analysefehlers aufgetaucht.

"Wir haben sicher eine sehr große Untersuchungsdichte", sagte Landena-Geschäftsführer Bernhard Gruber am Dienstag. Unter den mehr als 100 Proben, die in verschiedenen österreichischen und deutschen Labors analysiert wurden, befanden sich auch alle Produktions-Chargen der Sauce Bolognese der vergangenen drei Monate und auch sechs Proben, die mit der gleichen Fleisch-Charge produziert wurden wie die von der deutschen Handelskette Tegut vom Markt genommene Pasta-Sauce. 

Analysefehler "nicht ganz auszuschließen"

Man sei mit der Fehlersuche beschäftigt und natürlich auch daran interessiert, die von Tegut an ein Labor geschickte Probe nochmals näher anzusehen, so Gruber: "Ich will niemandem etwas unterstellen, aber auch ein Analysefehler ist nicht ganz auszuschließen." Die Analyse hatte 3,5 Prozent Pferdefleisch im 20-prozentigen Fleischanteil ermittelt.

Der für Veterinärbelange zuständige steirische Landesrat Hans Seitinger sprach indessen im Zusammenhang mit Falschdeklarationen von einem "gigantischen Vertrauensbruch", der bei erkannten Verstößen "ausnahmslos schärfstens geahndet" werden müsse. Eine Lehre sei eine erhöhte Sensibilität im internationalen Warenverkehr und die Forderung nach einer nachverfolgbaren und verständlichen Herkunftszertifizierung, eine Art Begleitschein, wie es ihn bei heiklen Industrieprodukten wie etwa Flugzeugteilen schon gebe. Er rechne damit, dass sich dazu auf EU-Ebene "Ordentliches tun wird, weil der Druck gigantisch geworden ist", so Seitinger. 

Forderung nach höheren Strafen

Auf politischer Ebene wurden am Dienstag Forderungen nach höheren Strafen wiederholt. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) macht mit der angekündigten Strafverschärfung für falsche Lebensmittelkennzeichnung ernst. Einen entsprechenden Entwurf hat er am Montag an den Koalitionspartner ÖVP übermittelt, wie Stöger am Dienstag vor dem Ministerrat bekannt gab. Nicht nur Kanzler Werner Faymann (SPÖ), sondern auch Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) signalisierten Zustimmung.

Mit der geplanten Novelle des Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetzes soll eine Mindeststrafe von 5.000 Euro eingeführt werden. Die Höchststrafe steigt laut Entwurf von 20.000 auf 50.000 Euro, im Wiederholungsfall von 40.000 auf 100.000 Euro. Sanktionen sind auch für das Inverkehrbringen gefälschter oder mit falschen Angaben versehenen Lebensmittel vorgesehen, und auch für das Umgehen vorgeschriebener Untersuchungen gibt es Strafen. (APA, 26.2.2013)

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