Maskierte Schimmelpilzgifte können nun leichter enttarnt werden

26. Februar 2013, 19:20
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Mykotoxine können sich mit Zucker kaschieren - Wiener Forschern gelang Synthetisierung, die maßgeblich bei Entwicklung von Nachweismethoden hilft

Wien - Die Gefahr, die von Schimmelpilzgiften (Mykotoxine) ausgeht, sollten nicht unterschätzt werden. Zuletzt hat dies die in den vergangenen Wochen in mehreren Balkanländern entdeckten erhöhten Aflatoxin-Werte in Milchprodukten gezeigt. Der Nachweis hat auch bewiesen, dass die etablierten Tests in der Regel funktionieren. In einigen Fällen können sich die Toxine aber auch tarnen, etwa wenn sie im Stoffwechsel chemisch verändert werden. Dann bleiben sie bei Routineanalysen unerkannt. Forschern der Technischen Universität (TU) Wien ist es nun gelungen, diese "maskierten Mykotoxine" im Labor zu synthetisieren. Das soll eine genauere Untersuchung der Giftstoffe und die Entwicklung von Nachweismethoden ermöglichen.

"Sowohl Pflanzen als auch Tiere und Menschen haben die Fähigkeit, Schimmelpilzgifte im Zuge des Stoffwechsels biochemisch zu verändern", erklärte Hannes Mikula vom Institut für angewandte Synthesechemie der TU Wien. So werden an die Toxine Zucker wie Glucose oder Glucuronsäure angehängt. Die derart maskierten Giftstoffe werden dabei nicht zerstört und können wieder in die ursprüngliche Form zurückgewandelt werden, nachdem sie mit der Nahrung aufgenommen worden sind.

Modell-Moleküle statt Mykotoxine

Um maskierten Toxine zu analysieren und ihre Giftigkeit zu untersuchen, müssen sie in größeren Mengen zur Verfügung stehen. Doch ihre synthetische Herstellung ist nicht so einfach, weil die Zuckerverbindungen an vielen unterschiedlichen Reaktionen beteiligt sein können. "Mit Hilfe von Modell-Molekülen, die sich ähnlich verhalten wie die entsprechenden Mykotoxine, aber leichter und billiger herzustellen sind, konnten wir im Laufe der letzten Jahre optimierte Synthesemethoden für unterschiedliche Zielverbindungen erarbeiten", so Mikula, der dabei mit Kollegen von der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) zusammengearbeitet hat. Nun können viele Milligramm oder sogar Gramm der gewünschten Substanzen innerhalb von wenigen Tagen hergestellt werden.

Die Forschungsergebnisse sind für mehrere Schimmelpilzgifte anwendbar. Die hier im Zentrum stehende Zuckerchemie (Glykochemie) spielt aber auch in vielen anderen Forschungsgebieten eine entscheidende Rolle, etwa bei der Diagnose von Stoffwechselerkrankungen bei Neugeborenen oder bei der Suche nach Krebs-Zellen.

Mikula erhielt für seine Forschung 2011 bereits den Theodor Körner Preis. Nun wurde er für eine Publikation, in der er gemeinsam mit seinen Boku-Kollegen eine von ihm entwickelte neue Synthesemethoden vorgestellt hat, vom "World Mycotoxin Journal" mit dem Preis für das beste wissenschaftliche Paper über Schimmelpilzgifte des Jahres 2012 ausgezeichnet. (APA/red, derStandard.at, 02.03.2013)

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