Video mit in Kamerun gekidnappten Franzosen aufgetaucht

26. Februar 2013, 11:50
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Entführer fordern Freilassung inhaftierter "Brüder" - Frankreich lehnt Verhandlungen ab

Yaounde/Abuja/Paris - Ein Video der vergangenen Dienstag im Kamerun gekidnappten französischen Familie ist im Internet aufgetaucht. Das am Montag auf YouTube veröffentlichte Video trägt den Titel "In Kamerun entführte französische Touristen" und zeigt zwei Männer, eine Frau sowie vier Kinder. "Wir sind von "Jama'atu Ahlis Sunna Lidda'awati wal-Jihad" (Boko Haram) gefangen genommen worden. Sie fordern die Freilassung der im Kamerun inhaftierten Brüder und der in Nigeria inhaftierten Frauen", erklärt darin einer der entführten Männer auf Französisch.

Über den auf dem Boden sitzenden Geiseln prangt eine schwarze Fahne, die über zwei Sturmgewehren und einem offensichtlich den Koran repräsentierenden Buch den arabischen Schriftzug "Es gibt keinen Gott außer Allah" in Weiß trägt. Links und rechts neben den Europäern befinden sich bewaffnete und vermummte Männer im Tarnanzug. Ein dritter liest eine Erklärung auf Arabisch vor. "Der französische Präsident hat einen Krieg gegen den Islam begonnen", erklärt der mutmaßliche Entführer. Sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden, würden die Geiseln sterben, warnt er.

Paris lehnt Verhandlungen ab

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius bestätigte am Montagabend die Authentizität des Videos, nachdem zuvor schon Bekannte die Familie identifiziert hatten. "Ein Video der vergangenen Dienstag im Norden Kameruns gekidnappten französischen Familie ist von Boko Haram verbreitet worden", erklärte er in einer Aussendung. Die Bilder seien "furchtbar schockierend" und zeugten von einer "grenzenlosen Grausamkeit". Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte am Dienstag dem Sender RTL: "Wir verhandeln nicht auf solchen Grundlagen, mit solchen Gruppen."

Das in Kamerun lebende Ehepaar und seine vier Kinder waren gemeinsam mit dem sich auf Besuch befindlichen Onkel aus Spanien bei einem Besuch des an der kamerunisch-nigerianischen Grenze gelegenen Waza-Nationalpark entführt worden. Wie der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault am Montag nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses erklärte, befinden sich die Geiseln "wahrscheinlich in Nigeria".

Inklusive der siebenköpfigen Familie sind gegenwärtig 15 Franzosen in Geiselhaft von Entführern in der Sahelzone. Die übrigen acht Franzosen werden im Norden Malis vermutet. Damit wird Frankreich zu "einem der am stärksten, vielleicht dem am stärksten (von Entführungen, Anm.) betroffenen Land", erklärte Fabius vergangene Woche. Die nigerianische Islamistengruppe Boko Haram ist bisher kaum durch die Entführung westlicher Staatsbürger hervorgetreten. (APA, 25.2.2013)

 

 

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