Wenn das deutsche Bio-Ei aus der Legebatterie kullert

25. Februar 2013, 18:29
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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 200 Unternehmen - Niedersachsen prüft Entzug von Betriebserlaubnis

Berlin - Das Pferdefleisch in der Lasagne haben die Deutschen noch nicht verdaut, da fliegt schon ein neuer Lebensmittelskandal auf. Wenige Wochen vor Ostern geht es um Bioeier. Wie nun bekannt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft in Oldenburg (Niedersachsen) seit 2011 gegen 150 Unternehmen. Weitere 50 Verfahren wurden an Ermittler in anderen Bundesländern abgegeben.

In den vergangenen Jahren sind nach Angaben der Ermittler womöglich Millionen falsch deklarierter Bioeier in den Handel gelangt. Die Eier wurden als "bio" ausgegeben, sollen aber entweder von Hühnern in Legebatterien stammen oder von Tieren, die zwar im Freien gehalten werden, die aber nicht genügend Auslauf hatten. Damit ein Ei als "bio" bezeichnet werden darf, muss jede Henne vier Quadratmeter Auslauffläche haben. Die Landwirte hätten aber deutlich mehr Hennen gehalten.

"Der Verdacht ist, dass es sich um systematischen Betrug handelt. Sollte sich das bestätigen, wäre es kein Kavaliersdelikt, sagt Niedersachsens Verbraucherschutzminister Christian Meyer (Grüne). Er ist erst seit sechs Tagen im Amt. Die neue rot-grüne Landesregierung, die Schwarz-Gelb abgelöst hatte, war am Dienstag vereidigt worden. Sozialdemokraten und Grüne hatten sich im Wahlkampf für eine ökologischere und verbraucherfreundlichere Agrarpolitik starkgemacht.

Strengere Überwachung

Meyer prüft nun, ob überführten Betrieben die Betriebserlaubnis entzogen werden kann. Die Grünen treten auch dafür ein, die Namen der Höfe zu veröffentlichen, die gegen die Auflagen verstoßen haben. Renate Künast, Fraktionschefin im Bundestag, kritisiert, dass Prüfer oft nur die Futterqualität im Auge hätten, nicht aber die Anzahl der Tiere.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) fordert harte Strafen für die Verantwortlichen. Von den Ländern verlangt sie, die strengen Vorgaben für Bio-Höfe besser zu überwachen: "Die Kontrollbehörden der Bundesländer müssen diese Gesetze auch überwachen, und zwar nicht nur vom Schreibtisch aus." Ansonsten hätten weitere Verschärfungen der Gesetze keinen Sinn. (bau, dER STANDARD, 26.2.2013)

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