Alpine: Expansion, Billigstpreise, Schulden

Analyse25. Februar 2013, 18:08
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Wie es zur aktuellen Schieflage des Baukonzerns kommen konnte

Wien - Einer nachhaltigen Sanierung der angeschlagenen Baufirma Alpine stehen aktuell - abseits der laufenden Bankenverhandlungen über einen Forderungsnachlass gleich mehrere Steine im Weg: Die zum spanischen Mischkonzern FCC gehörende Alpine hat in den vergangenen drei Monaten Aufträge dermaßen billig (unterpreisig) akquiriert, dass sie häufig um 20 bis 30 Prozent billiger als der zweitbeste Bieter war, verlautet aus der Branche. Die daraus resultierenden Probleme verschieben sich also in die nächsten Jahre.

Dazu kommen Haftungen der Salzburger Alpine für ihre Töchter in Polen, Serbien und Rumänien, die bei über 50 Millionen Euro liegen sollen.

Der Grund für die aktuelle Schieflage ist die rasante Expansion der Baufirma nach Ost- und Südosteuropa in den vergangenen Jahren. Die Verluste entstanden u. a. durch nicht kostendeckende Billigofferte nicht zuletzt angesichts des Konkurrenzdrucks, und der Vorfinanzierung von Aufträgen, die schlussendlich keinen Gewinn abwarfen.

Dass sich jetzt eine Investorengruppe um den früheren Alpine-Chef und Miteigentümer Dietmar Aluta-Oltyan bilde und Teile des Baukonzerns bei einem Scheitern der Sanierung kaufen will, quittieren Insider mit Stirnrunzeln. Denn es war Aluta, der seinerzeit die schnelle Expansion der Alpine zu verantworten hatte.

Dass durch eine eventuelle Insolvenz der Alpine die 7000 Arbeitsplätze in Österreich gefährdet seien, stimmt so nicht. Die Alpine hat, wie alle anderen Baufirmen, genauso viele Mitarbeiter wie Aufträge vorhanden sind. Bei einer Insolvenz würden die Aufträge eben von anderen Baufirmen übernommen werden.

Branchenvertreter zufolge wären die Mitbewerber wie etwa die Porr bereit, Mitarbeiter und Aufträge der Alpine bundesländerweise zu übernehmen und so die Banken von ihren Garantien freistellen, in dem sie die vorhandenen Aufträge abarbeiten. Die Firmen würden in die Bauaufträge einsteigen, sodass die Garantien nicht gezogen werden müssen.

Branchenkenner halten auch die kolportieren Erlöse von 150 Mio. Euro aus dem Verkauf der Töchter (Hazet-Bau, Alpine Grundbau und Stump sowie Alpine Energie) für unrealistisch. Der Verkauf von Hazet und Stump dürfte 20 bis 30 Mio. Euro bringen. Die Alpine Energie sei selbst ein Sanierungsfall - dazu kämen Konzernverbindlichkeiten von 140 Mio. Euro an die Alpine. Das Unternehmen habe zwar einen gesunden Kern, sei aber in Teilen, wie die Mutter, zu rasant gewachsen. Zwei von vier Geschäftsbereichen sollen angeschlagen sein.

Wie berichtet, läuft am 28. Februar das Stillhalteabkommen der Banken aus. Die Bankverbindlichkeiten sollen rund 520 Mio. Euro betragen. Dazu kommen Verpflichtungen von 290 Mio. Euro aus drei Unternehmensanleihen, die die Alpine seit 2010 aufgelegt hat. Die spanische Mutter FCC wird wohl zu den bereits geleisteten 77 Mio. Euro weitere 80 Mio. Euro zuschießen müssen, damit die Banken den Sanierungsplan akzeptieren und auf rund 250 Mio. Euro (Forderungsverzicht plus neues Kapital einschießen) verzichten. Das Problem ist derzeit noch, dass 95 Prozent der Gläubiger dem Sanierungsplan zustimmen müssen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 26.2.2013)

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    Mitbewerber kritisieren die nicht kostendeckenden Angebote, mit denen Alpine derzeit am Markt agiere.

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