Der teure Freispruch von Dinko Jukic

25. Februar 2013, 17:49
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Der Schwimmverband lehnt es ab, die Kosten des Dopingverfahrens gegen Dinko Jukic zu tragen. Laut Verbandspräsident Meidlinger ist das Gesetz "reparaturbedürftig"

Wien - Achtzehntausendsiebenhundertneunzig Euro und vier Cent. Das ist, von den Cent einmal abgesehen, eine Menge Geld - wobei sich jetzt nicht die Frage stellt, was denn so viel gekostet hat an dem Verfahren, das die Nada (Nationale Anti-Doping Agentur) gegen den Schwimmer Dinko Jukic angestrengt hat.

Jukic war im Mai 2011 und im Wiener Stadionbad nicht zur Dopingkontrolle angetreten, die Nada übergab den Akt ihrer Rechtskommission, schließlich werden verweigerte Kontrollen nicht selten wie ein positiver Test geahndet. Der damalige Nada-Chef Andreas Schwab fügte allerdings ausdrücklich hinzu, dass es sich um keine Vorverurteilung handle. Die Rechtskommission sprach Jukic im Oktober 2011 tatsächlich frei. Ihr damaliger Vorsitzender Gernot Schaar sagte, Jukic war "kein Verschulden an der Nichtmitwirkung anzulasten". Schon ein Jahr danach bekam der Schwimmverband (OSV) eine mit 23. Oktober 2012 datierte Rechnung mit der Aufforderung, die 18.790,04 Euro binnen zwei Wochen zu überweisen.

Die Nada-Vorgangsweise ist gesetzlich gedeckt, OSV-Präsident Christian Meidlinger allerdings findet "dieses Gesetz lustig und Reparatur-bedürftig". Denn: "Wie kommen wir als Verband dazu, die Kosten dieses Verfahrens zu tragen? Der Erste war nicht in der Lage, einen ordentlichen Dopingtest abzuliefern, der Zweite war nicht in der Lage, eine ordentliche Kontrolle durchzuziehen, und ein unbeteiligter Dritter soll jetzt alles bezahlen." Dass sich der Verband, wenn er bezahlt habe, wiederum an Jukic schadlos halten könnte, lehnt Meidlinger ab. "Das wäre dann nur der nächste Gerichtstermin. Und ich habe keine Lust, ständig Geld zu Anwälten und Gerichten zu tragen." Zwei Verfahren sind schon anhängig, Jukic hat gegen seine Sperre sowie den Verbandsausschluss seines Vereins SC Austria geklagt. Die Verhandlung wegen der Sperre fand schon statt, das Urteil erfolgt schriftlich, es könnte relativ bald zugestellt werden. Meidlinger kündigt an, das Urteil jedenfalls respektieren zu wollen.

Michael Cepic, der Schwab als Nada-Geschäftsführer gefolgt war, versteht Meidlingers Unmut über die Nada-Rechnung, sagt aber: "Uns sind die Hände gebunden, das Urteil ist rechtskräftig, so sieht nun einmal das Gesetz aus." Immerhin habe die Nada dem OSV angeboten, er könne die Schuld in Raten begleichen. Meidlinger will aber abwarten, sagt, er habe sich auch beim Sportminister beschwert. "Es kann jeder Verband in diese Situation kommen. Man muss sich fragen, ob man nicht das Gesetz ändert."

Was Jukic betrifft, so hofft Meidlinger, den Schwimmer bei der WM (ab 28. Juli, Barcelona) am Start zu sehen. "Wir wollen", sagt er, "dass Dinko Jukic in Barcelona schwimmt. Der OSV braucht Zugpferde." Ansonsten sieht es für die nähere Zukunft in sportlicher Hinsicht nicht allzu rosig aus, was sich in der Folge auch auf die wirtschaftliche Situation des Verbands auswirken könnte. Die Firma Ströck, seit Jahren wichtiger OSV-Sponsor, hat ihren Vertrag zwar bis Jahresende verlängert, dem Vernehmen nach aber den Sponsorumfang reduziert. Es ist auch kein Geheimnis, dass Ströck laufend neue Testimonials sucht und - siehe Hürdensprinterin Beate Schrott oder die rudernden Sieber-Brüder - findet. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 26.2.2013)

  • Dinko Jukic und sein Anwalt.
    foto: apa/pfarrhofer

    Dinko Jukic und sein Anwalt.

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